Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Der Sonnenstich
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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-- 248 Hand anhalten und erhielt die Antwort, daß wir heute Abends die Verlobung feiern könnten." Mit diesen Worten stürmte Jechiel aus dem Zimmer. „Unerhört!"rief der „Sched" entrüstet. „DieserMucker, dieser Schlemihl wagt es, sein Auge auf die Tochter des Schammes zu werfen." „Wenn die Beiden unter der Chuppe stehen", sagte der Maler, werden sie aussehen, wie ein Weinstock und eine Trauerweide." „Ihr glaubt dem Verrückten?!" lachte der Dichter herzlich. „Da muß ich Euch was vortragen: „War einst ein Hundejüngling Von garstig schwarzem Leib Entbrannt in heißer Liebe Zu einem holden Weib: Des Mondes sanftes Leuchten Halt' es ihm angetan — Es schwärmt der schwarze Köter Die keusche Luna an!" „Des schönen Liedes Wert", rief ein Kritiker zwischen, „bekundet die ihin innewohnende Lüge. Nicht Jechiel ist unzurechnungsfähig, sondern Du, mein Lieber. Weißt Du denn nicht, daß der Hund ein unversöhnlicher Feind der Luna ist?" „An sieben Dingen", erwiderte der Dichter, „erkennt man den Narren, und eines davon ist, daß er stets eine halbe Arbeit kritisiert. Höre doch den Schluß! „Es kläfft verliebt der Köter Hervor aus schmutz'ger Pfütze Zur glänzend hellen Luna Auf lichtem Wolkensitze. Des Köters Kläffen stört sie; Und voll Verachtung kehrt sie Den Rücken ihm. — Seit dieser Zeit Des dummen Tieres Zärtlichkeit Verwandelt ist in Haß und Neid: Seit Luna so sein Lieben lohnt, Voll Wut der Hund bellt an den Mond!"