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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 247

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Der Sonnenstich
Date
1913-01-01
Page
Seite 247 (sequence 20)
Language
German
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247 „Und ich", schloß der dritte, „rufe Dir Maseltow zu und biete mich Dir als Schadchen an." „Und wir", sagten die zwei ersten, „werden Dich zur Chuppe führen." Da erwachte Jechiel aus seinem Traume .... Im Beth Hamidrasch herrschte tiefe Finsternis; nur durch die Fensterscheiben blickte der nächtliche Himmel herein, auf dem zerrissene Wolken bei mattem Scheine des Mondes umherjagten. „Das sind", sprach Jechiel zu sich selbst, „dieGewänder und Tallesim der Greise." Er empfand eine noch nie zuvor gekannte Wonne und Freude, so daß er sein Lager verließ und im Finstern umhertanzte, bis die Kräfte ihn verließen und er sich gezwungen sah, sein Lager wieder aufzusuchen. Seit dieser Nacht führte er ein wahres Traumleben und bewegte sich in einer anderen Welt. Er brauchte nur die Augen zu schließen, um im Geiste das Gesicht der schönen Schammes-Tochter zu erblicken, die seinem Werben mit einem leise gesprochenen „Ja" zustimmte. Eines Tages, als die Talmudjünger sich nach dem Morgengebete im Beth Hamidrasch zusammenfanden, nahte sich ihnen Jechiel und begann mit eigentümlicher Stimme: „Sagt mir Maseltow." „Was ist los?" fragten die Ueberraschten. „Hast Du vielleicht heute Jahrzeit?" *) „Auch ihr könnt Ihr Maseltow sagen!", fuhr Jechiel fort. „Wem denn? Welcher ihr?" gaben die Jünglinge mit wachsendem Erstaunen zurück. „Nun, meiner Kalle!" „Wer ist Deine Kalle?" „Wer soll es sein? Channa ist es . . . Gestern Abend ließ ich durch einen Vermittler bei ihrem Vater um ihre i) Die Juden des Ostens, insbesondere die Chassidim, rufen demjenigen, der den Sterbetag seiner Eltern begeht, der für ihn doch ein Unglückstag war, Maseltow zu, d. h. das Glück möge ihm Mastig hold sein.

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