Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Der Sonnenstich
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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239 des Bardeles noch niemals im Traum gesehen hatte, so träumte ich doch des Nachts zuvor von dem Namen dieses Tieres; allein mein Vater tröstete mich und meinte: der Name allein hätte keine Bedeutung. Doch in der darauf folgenden Nacht erschien mir das Bardeles in feiner wirklichen Gestalt im Traume. Als ich aufwachte, betrachtete ich diesen Traum als mein Geheimnis und sagte meinem Vater nichts davon, da ich Angst hatte, er würde mich fasten heißen; damit aber beging ich eine große Sünde und habe den Tod meines Vaters verschuldet." Jechiel brach in heftiges Schluchzen aus, während die Genossen ihn halb spöttisch, halb mitleidig ansahen. „Das war," nahm er, seine Tränen trocknend, die Erzählung wieder auf, „an einem Montag oder Dienstag. Am darauf folgenden Schabbeszunacht saßen wir in größerer Gesellschaft beim Mahle zu Ehren der scheidenden Königin Sabbath länger als sonst zusammen, bei welcher Gelegenheit mein Vater die Schleusen der Kabbala öffnete und uns in das Paradies der mystischen Welt versetzte. Inzwischen war die Schnapsflasche bis auf die Neige geleert worden . . . Da muß es das Spiel des Satan gewesen sein, daß mein Vater sich bereden ließ, durch ein Wunder Schnaps zu verschaffen. Anfangs wollte er Lurch Bohren in die Wand, dieser das begehrte Getränk entziehen. Da aber der Hausherr, dessen Gehirn kabbalistische Wunder nicht zu fassen vermochte, durch ein solches Experiment eine Beschädigung der Wand fürchtete, sich dagegen gesträubt hatte, ging mein Vater fort, um von einem, den gewöhnlichen Sterblichen unsichtbaren Orte das Getränk zu bringen Fast die ganze Nacht warteten wir auf seine Rückkehr, und als er nicht kam, bemächtigte sich unser eine fürchterliche Unruhe. Am Morgen des darauf folgenden Tages wurde er nach Hause gebracht, zerschlagen und verwundet, kaum atmend, geführt von einigen Grenzsoldaten, die die Frechheit hatten, uns zu sagen: „Der Kerl wird wohl nicht mehr schmuggeln." . . . Zwei Tage lang lag mein Vater fast wie ein Toter, ohne zu mir oder zu seinen Freunden, die uns besuchten, ein Wort zu sprechen. Am