Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Der Sonnenstich
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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234 fertig. Jndeß, aller Anfang ist schwer, zumal wenn man durch die Tochter des Schammes gestört wird, die mehr Licht über die Finsternis des Beth Hamidrasch ausbreitet, als alle alten Grabinschriften über das Dunkel der Weltgeschichte . Und nun schau' Dir das anmutige Pflänzchen dort drüben in der Ecke an! Es ist der zukünftige Maler Nathan. Er hat die Gewohnheit, im Sommer aus dem Rücken zu liegen und den blauen Himmel zu bewundern, im Winter die Stirn an den Fensterscheiben zu kühlen und dabei ungestört mit seinen Blicken die Bewegungen der schweren Wolken und das Licht der kaum sichtbaren Sterne zu verfolgen. Unser Maler ist weder im Besitz eines Ateliers noch der für seinen Berus erforderlichen Utensilien und Farben. Allein er ist anspruchslos und begnügt sich mit einer Holzkohle, mit der er aus der Decke und den Wänden des Beth Hamidrasch in zierlichen Buchstaben die verschiedensten Sprüche malt. Sieh Dir dort über dem Vorbeter-Pult den Misrach an und bewundere die Löwen, Tiger und Schlangen, deren Schweife allerdings ein bischen lang geraten sind. Ist das nicht ein Meisterwerk? Ja, unser Nathan ist ein Künstler. Solltest Du Zweifel hegen, ob die Löwen, Tiger und Schlangen wirklich solche und nicht etwa Pferde, Esel oder andere Haustiere sind, so lies nur den unter jedem Tier angebrachten Namen, und jeder Zweifel ist beseitigt." Jechiels Erstaunen hatte seinen Höhepunkt erreicht, aber der „Sched" kümmerte sich nicht darum, sondern fuhr fort: „Die übrigen Kameraden, durchweg liebenswürdige und angenehme Burschen, von denen ich sicher bin, daß siedereinst Große in Israel sein werden, haben ihre Talente und Fähigkeiten noch nicht entfaltet, bisher kein bestimmtes wissenschaftliches Fach als Spezialität erwählt, und ich bin deswegen der Pflicht enthoben, ihre Vorzüge Dir haarklein zu schildern, mögen sie nun, da ich mich von dem vielen Reden doch ein wenig abgespannt fühle, sich selber vorstellen." „Mein Name," begann einer der Apostrophierten, „ist Hirsch Teuerstein."