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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 233

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Der Sonnenstich
Date
1913-01-01
Page
Seite 233 (sequence 6)
Language
German
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233 Sänger. Doch glaube nicht, daß er ein gewöhnlicher Sänger im Chor unseres Chasans ist; nein, er ist ein Dichter, ein Dichter von Gottes Gnaden. Er ist vollgepfropft mitVersen; hoffentlich wird es auch Dir vergönnt sein, die hinkenden Verse zu hören, die er zu Ehren der schönen Schammes-Tochter, deren hübsches Gesicht auch Dich bezaubern wird, und zum Preise der Kräppchen, die sie uns feilbietet, gesungen. Die Kräppchen schmecken wie Kuchen aus Honig und riechen „wie der Geruch des Feldes, das der Herr gesegnet". Es wird ja auch Dir vergönnt sein, diese Himmelsspeise zu kosten, und Du wirst Dich überzeugen, daß der ihnen entströmende Duft zu den sechzig paradiesischen Hochgenüssen gezählt zu werden verdient." Jechiel riß seinen Mund noch weiter auf, was die jungen Leute mit lustigem Lachen wahrnahmen. „Dieser hier," setzte der „Sched" die Vorstellung fort, „Dir zur Linken — schau' Dir ihn ja gut an! — ist ein Altertums-Forscher und heißt Rüben. Ich will Dir erklären, was man unter Altertums-Forscher versteht; denn aus Deinen klugen Augen blickt mich eine einfältige Seele an, die nicht weiß, was das Wort bedeutet. Du hast doch gewiß in Deiner Heimat die Schilder über den Kaufmannsläden gesehen. Manche von diesen sind neu, andere alt und verwittert. Diese letzteren sind für den Altertumsforscher kostbare Schätze; je älter, je verwitterter ihre Schrift ist, desto höher stehen sie bei unserem Rüben in Ansehen. Wenn er zum Beispiel irgendwo einen alten, verfaulten Stiesel findet, untersucht er ihn sofort, ob er nicht von einem Gibeoniten herrührt, der ihn zur Zeit Josuas getragen hatte, damals, als er und seine Sippe die Israeliten überlisteten. Rüben schätzt und verehrt jedes Buch; ein vergilbter, fehlervoller Kalender ist ihm aber lieber, als ein neues wissenschaftliches Werk. Man sieht's ihm garnicht an, wie viele solcher alten Scharteken er schon gesehen hat. Gegenwärtig ist er mit der Herausgabe eines neuen Werkes beschäftigt: „Die Ringellocken Abimelechs und die Larve Delilas". Das Titelblatt und eine Hälfte der Vorrede sind bereits druck-

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