Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Der Sonnenstich
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 5)
- Language
- German
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232 „Nachdem Du Dich vorher reichlich mit talmndischer Kost gesättigt hattest?" „Wohl habe ich mich mit dem Talmud befaßt, aber nicht zu viel. Die Frömmigkeit meines Vaters — sein Sechus*) steh' uns allen bei — ist mir das Licht, bei dessen Glanz die Wege der Kabbala mir klar erscheinen." „Wie die Wege des Himmels," unterbrach ihn lächelnd einer der Talmudjünger. „Du sollst uns ein lieber Kamerad sein. Wir werden uns nach wie vor in den Talmud vertiefen, und wenn Du an der Kabbala Wohlgefallen findest, so ist das Deine Sache. „Es wandele ein Jeder von uns," wie's in der Bibel heißt, „im Namen seines Gottes" und werde nach seinem Sinne glücklich. Wozu der unnütze Streit?.Nun aber ist es Zeit, daß wir näher mit einander bekannt werden, und damit Du mich nicht für einen zu großen Onew") hältst, fange ich bei mir an: Mein Name ist Israel Sched." Jechiel fuhr entsetzt auf. „Ist Dir wieder Dein Bündel abhanden gekommen?" spottete der Redende. „Nein, aber wie nanntest Du Dich?" „Israel Sched. Bange Dich nicht! Ich bin kein Sched, wie Ihr Kabbalisten ihn fürchtet: ich halte mich nicht des Nachts unter irgend einer Brücke auf, um die Vorübergehenden zu erschrecken oder die Wanderer in die Irre zu führen. Bewahre! Ich bin ein Staubgeborener wie Du, heiße auch garnicht so. Meine Freunde nur haben mich mit diesem Namen beehrt, weil meine Zunge so scharf ist wie mein Taschenmesser, mit dem ich die Ständer und Tische des Beth Hamidrasch bekritzele, um die geehrten Baalbattimb) ein bischen zu ärgern." Jechiel stand verwirrt da, mit offenem Munde und aufgerissenen Augen. Man merkte es ihm an, daß er von dem Gehörten wenig verstanden hatte. Indessen fuhr der „Sched", ohne sich um die Verwirrung des neuen Genossen zu kümmern, fort: „Der junge Mann, der Dir zur Rechten steht, heißt Chajim *) Verdienst. 2) Allzubescheiden. 3) Hausväter,