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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 231

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Der Sonnenstich
Date
1913-01-01
Page
Seite 231 (sequence 4)
Language
German
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231 über das gute Werk, als sie diese Delikatesse dem Fremden reichten. Dieser verrichtete nun mit bebenden Lippen den Segensspruch und verzehrte dann mit hastiger Gier die Erdfrucht. Nachdem er sich einigermaßen erwärmt und erholt hatte, stellte er sich den jungen Leuten vor: „Ich heiße Jechiel, bin der einzige Sohn des Rabbi Moscheh aus Tomaschow und komme hierher, um in Eurem Beth Hamidrasch zu lernen und Tageft zu essen." „Also ein Chawwerlft Scholaum Alechem!" klang es durcheinander, und alle Hände streckten sich dem Genossen entgegen. „Was lernt Ihr jetzt?", fragte der Zugereiste. „Gemore, Schulchan Aruch und noch andere Dinge," antwortete der Älteste. „Und ich," sagte Jechiel. „ich lerne Kabbalah." Doch Plötzlich durchslog ein heftiges Zittern seinen Körper, und seine Gesichtszüge wurden aschfahl. „Ich Unglücksmensch," stöhnte er, „ich Hab' mein Bündel verloren, mein Bündel ist weg!" „Da ist es," beruhigte ihn einer der jungen Leute, „es liegt ja hier auf'm Fußboden." Dabei schob er das Vermißte mit dem Fuß an seinen Eigentümer heran. „Berühr' das Bündel nicht mit Deinem Fuß!" ries Jechiel ängstlich, hob dasselbe behend auf und drückte die Lippen darauf. „Du hast wohl S'forimft drin?" „Ja und auch Tephillin, drei Paar, je eines nach der Vorschrift Raschi's, des Rabbenu Tam und des Schamscha rabba. Auch den Sohar," fuhr Jechiel fort, während seine Hörer ihn verwundert anblickten, „und noch andere heilige Bücher habe ich in meinem Bündel." „Da bist Du wohl ein großer Kabbalist?" „Das weiß ich nicht," gab Jechiel bescheidenstolz zurück. „Mein Vater, der als Baal Mekubbelft in der ganzen Welt bekannt ist, hat mir die Pforten dieser heiligen Wissenschaft erschlossen und erlaubt, in dem schattigen Garten der Kabbala zu lustwandeln." i) Freitisch. 2) Kamerad. 3) Heilige Bücher. 4) Kabbalist.

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