Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 224

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Das Dreigestirn
Date
1913-01-01
Page
Seite 224 (sequence 34)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3111067-3111098-3115986--4511-3116241
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

224 mit und ohne Orgelbegleitung", die 1880 im Druck erschienen. Hier lernen wir den Musiker Deutsch, den Fürsten im Reiche der Harnronie kennen. Diese Gesänge haben Eingang in den israelitischen Gotteshäusern gefunden und trugen zur Andacht und Erbauung viel bei. Zunächst war es die Gemeinde Breslau, die die kompositorischen Leistungen ihres Kantors hochschätzte. Deutsch's Erfolge strahlten weit hinaus über den Kreis seiner heimatlichen Wirksamkeit und aus vielen Gegenden Deutschlands strömten Beter herbei, um in der .Breslauer Synagoge den Kantor und Komponisten „Deutsch" zu bewundern. Seinem Hauptwerke, den Breslauer Synagogengesängen, ließ Deutsch einen „Nachtrag" folgen, bestehend aus 24 Pieyen für Solo und Chor mit Orgelbegleitung. Diese Arbeit reiht sich würdig den ersten an und legt abermals beredtes Zeugnis für das universelle Wissen des Autors ab. Der Anregung seines großen Lehrers, Sulzer, jedes Fest mit einem Orgelpräludium einzuleiten, folgend, komponierte Deutsch solche auch für die Breslauer Synagoge. „In diesen Orgelpräludien, nach - alter Synagogen-Jntonationen komponiert, pulsiert", wie Josef Singer in der österreichischen Kantorenzeitung schrieb, „jüdisches Leben, so warm und jugendfrisch, daß die von der unglückseligen Zeitströmung eisig kalt angehauchten und bereits erstarrten Glieder zu einem kräftigen Leben erwachen, und Zeugnis ablegen von dem unversiegbaren Quell ewiger Wahrheit und echter Kunstbestrebung." Diese Orgelpräludien zeugen von der Tüchtigkeit und fachmännischen Reife ihres Schöpfers. Deutsch aber war nicht allein ein gottbegnadeter Sänger, ein genialer Komponist, ein eifriger Förderer der Synagogenmusik, sondern auch ein bedeutender feinfühliger deutscher Schriftsteller. Letzteres tritt besonders in seinen musikwissenschaftlichen Aufsätzen, anläßlich des Erscheinens der SingerschenBroschüre über „dieTonarten des traditionellen Synagogengesanges" und in seiner Abhandlung „unser Ritualgesang" hervor. In diesen literarischen Arbeiten steht der Autor auf hoher Warte der Musikwissenschaft und belehrt in klassischer Sprache seine Fachgenossen über

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.