Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Das Dreigestirn
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 223 (sequence 33)
- Language
- German
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— 228 — und zwar das Lied zur Totenfeier: „Herr, was ist der Mensch", so hat Deutsch mit dem Vortrag dieses Liedes große Popularität erlangt. Wer den Namen „Deutsch" erwähnt, spricht auch zugleich von seinem Schwanengesang „Herr, was ist der Mensch." Dieses Lied ist auch vermöge seiner originellen Melodie und reicher Harmonie als eine Perle in der Synagogengesangsliteratur anzusehen, und aus dem Munde seines Autors zu hören, gewann dasselbe noch viel mehr Reiz. Ja, Deutsch bezauberte die Hörer durch seinen hinreißenden Vortrag. Hierbei sei mir gestattet, zu erwähnen, daß Deutsch bei der Durchreise Richard Wagners durch Breslau als der Befähigste befunden wurde, in einem zu Ehren dieses Meisters veranstalteten Konzerte das Lied „Winterstürme" aus der Walküre unter Begleitung des Komponisten, vorzutragen, wobei dieser über die musikalische Auffassung des Sängers sehr erfreut war. Ein Ausspruch Eugen Guras „er habe noch nie so schön ein Schubertsches Lied vortragen hören, wie von Deutsch", sei hier auch Erwähnung getan. Deutschs Streben war besonders auf das jüdische Kantorat gerichtet. Daher arbeitete er fort und fort an der Veredelung des Gottesdienstes, stets darauf bedacht, daß der Gesang von großem Einfluß auf das Gemüt ist; die rechte Weihe, wie der rechte Vortrag, bringen erst den Inhalt der Gebete und Gesänge zum wahren Verständnis In dieser Auffassung ging Deutsch auch mit dem Nachfolger Geigers, Dr. Joel, in der weiteren Ausgestaltung des Breslauer Gottesdienstes Hand in Hand. Die Joelsche Anschauung verkörperte sich in Deutsch, indem er alle möglichen Mittel suchte, um den israelitischen Geist zu heben und zu fördern. Deutsch wollte in seinem Fache d as erstreben, was die andern auf andern Gebieten für Israel zu schaffen und zu wirken imstande waren. Er wollte unsere alten charakteristischen Sangweisen, Israels Nationalgesänge, dieties in unserem religiösenLeben wurzeln, von ihren durch die Zeit erlittenen Schäden säubern, sie veredeln und sie uns erhalten helfen. Von diesen Vorsätzen beseelt schuf Deutsch die „Breslauer Synagogengesänge, Liturgie der neuen Synagoge für Solo und Chor