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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 222

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Das Dreigestirn
Date
1913-01-01
Page
Seite 222 (sequence 32)
Language
German
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222 fertig für ihren Beruf vorzubereiten. Alle diese Gesänge sammelte Meister Deutsch und veröffentlichte sie später nach einer 16jährigen segensreichen Dozenten-Tätigkeit in einer Sammlung, „Vorbeterschule" genannt. Seiner Bedeutung für das jüdische Kantorat entsprechend, zeigte der allgemein bewunderte und verehrte Meister großes Interesse für alle Erzeugnisse auf dem synagogalgesanglichen Gebiete. Ein aus der Feder des rühmlichst bekannten Königsberger Kantors H. Weintraub erschienenes Werk „Schire bes Adonoj1' veranlatzte Deutsch zu einer musikwissenschaftlichen Auseinandersetzung, welche in Fachkreisen große Beachtung fand. — Auch mit der wifsenschastlichen Seite des Synagogengesanges vertraut, wandte sich Deutsch dem Chasonus mit ganz besonderer Hingebung zu. Die Bearbeitung des Stoffes erheischt nicht allein, die natürlichen Anlagen eines Künstlers, sondern der Autor muß auch ein begeisterter Jude sein, Israels Geschichte kennen, gutes Verständnis für dieselbe haben und ein tüchtiger Hebräer sein. Deutsch besaß alle diese Eigenschaften und unter diesen: Eindruck erstand die bereits oben erwähnte Vorbeterschule, die 1871 im Druck erschien. In dem klar geschriebenen Vorworte, das über den Ursprung des Ritualgesanges anregende Mitteilungen macht, sagt der Komponist selbst: „Ich habe mich bestrebt, den traditionellen Gesang nach Kunstgesetzen zu ordnen, möglichst zu vereinfachen und eng mit dem Texte zu verbinden, ihn aber nicht destoweniger in seiner Originalität zu erhalten." Die Gesänge aus der Vorbeterschule fanden auch begeisterte Ausnahme in den Synagogen Israels. Während Deutsch in seiner Vorbeterschule als Meister in der Bearbeitung des Traditionsgesanges erscheint, zeigt er sich in seinen „deutschen Synagogen- und Schulliedern für Solo mit Chor und Orgelbegleitung" als ein feinfühlender Musiker. Dem religiösen Bedürfnis der Neuzeit entsprechend, vertonte er mehrere deutsche Gebete aus dem Geigerschen Gebetbuch, ebenso einzelne Lieder von I. Freund zu Festen und Gelegenheiten, welche als Erbauungsmittel bei öffentlichen Gottesdiensten sich bewährten. Greise ich aus diesem Liederkranz eins heraus.

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