Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Das Dreigestirn
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 31)
- Language
- German
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221 Deutsch begnügte sich nicht mit dem Errungenen. Er studierte weiter bei den hervorragendsten Musikern Breslaus, wie Dr. Baumgart, Mosevius und Seidel und war bestrebt, die gewonnenen Kenntnisie auf das Kantorat zu verwerten. Deutsch brachte nicht allein die Sulzerschen Gesänge im Gottesdienst zur höchsten Vollendung, sondern er entfaltete auch seine eigene Muse hierbei: Mit allen musikalischen Gesetzen ausgerüstet, komponierte er Chöre und Rezitative für den Gottesdienst. Alle seine Gesänge tragen den Stempel eines bedeutenden Chasan und eines hervorragenden Musikers. „Es tut not," schrieb er, „daß der Komponist sich in den Geist des heiligen Textes versenke, dem er in Tönen einen erhöhten Ausdruck verleihen will; da ist unerläßlich, daß er ganz erfüllt sei von jenen heiligen Gefühlen, die er in einer zur Andacht versammelten Gemeinde wecken will." Unter dieser Anschauung vertonte Deutsch die hebräischen Gebete. Kein Wunder, daß seine Gesänge bei dem Beter tiefe Andacht hervorriefen und sein Ruf weit über seine Wirkungsstätte hinaus drang, der Breslauer Gottesdienst wurde als Muster und Vorbild für viele deutsche Gemeinden hingestellt. Nach solchen Erfolgen wurde Deutsch ausgesordert, eine Kantorenschule einzurichten, deren Zöglinge als Religionslehrer am Rabbinerseminar zu gleicher Zeit ausgebildet werden sollten. Wahrlich, ein herrlicher Gedanke! Stimmbegabte deutsche Jünglinge strömten nach Breslau, um sich die edle Gesangsmethode des Meisters Deutsch anzueignen und auch zugleich am Rabbinerseminarihre Religionslehrerprüfung zu absolvieren. Deutsch ging mit großer Liebe und Aufopferung ans Werk, und viele Kantoren, die noch heute in großen Gemeinden amtieren, verdanken Deutsch ihre Ausbildung. Der Unterricht erstreckte sich auf alle Disziplinen, die ein Kantor in einer gebildeten Gemeinde nötig hat. Vor allem sollten die Eleven aus dem Munde des Meisters das alte Chasonus in modernem Geist vernehmen. Deutsch fixierte die altjüdischen Intonationen und brachte dieselben seinen Zöglingen bei. Auch das moderne Rezitativ würde im Institut doziert, um die angehenden Kantoren viel-