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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 220

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Das Dreigestirn
Date
1913-01-01
Page
Seite 220 (sequence 30)
Language
German
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220 erkennung. Alle prophezeiten dem 2. Wiener Kantor eine große Zukunft und sein Ruf drang weit über die österreichische Hauptstadt hinaus. Der Wiener' Gottesdienst galt in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts als Muster und Vorbild für die jüdischen Gemeinden der Diaspora. In den jüdischen Gemeinden Nordeuropas regte sich ebenfalls der Wunsch nach einem geregelten Gottesdienst. Zu diesen gehörte auch die Hauptstadt Schlesiens,Breslau. DiesehochgebildeteGemeindeberiefzur Realisierung der gottesdienstlichen Neuerung ihren ersten, zeitgemäßen Kantor in der Person Deutschs aus der Kaiserstadt Wien. Sein Probevortrag fiel glänzend aus. Er begeisterte die Gemeinde durch seine vorzüglich geschulte, wohlklingende und umfangreiche Tenorstimme. Sein Vortrag war künstlerisch vornehm und von tiefem Verständnis für die hebräische Sprache durchdrungen. In Deutsch war vieles zur höchsten Vollkommenheit vereinigt. Er war als Chasan, Sänger, Komponist, vielseitig gebildet. So ausgerüstet für das Vorbeterfach, trat Deutsch am 20. November 1844 fein Amt in Breslau an. Hier bot sich ihm ein weites Arbeitsfeld. Ohne Muße und Ruhe gab er sich seiner großen Aufgabe hin, den Breslauer Gottesdienst nach dem Muster seines großen Meisters und Lehrers Sulzer zu gestalten. Zunächst organisierte er einen gemischten Chor, studierte mit demselben die gottesdienstlichen Gesänge und brachte dessen Leistungen auf eine künstlerische Höhe. Der Beifall des Kantors und des Chores steigerte sich mit jedem Gottesdienst, und die Gemeinde drückte oft ihre große Zufriedenheit dem neugewählten Kantor aus. Der neugeschaffene Kultus lockte auch Andersgläubige ins Gotteshaus, und Deutschs hervorragende Fähigkeiten wurden auch von Musikern nichtjüdischer Konfession anerkannt und gewürdigt. Kein Wunder, wenn Deutsch zur folistischen Mitwirkung in Oratorien aufgefordert wurde. Deutsch entledigte sich der ehrenvollen Aufgabe mit künstlerischem Geschmack, und die Tageszeitungen hoben die Beherrschung des oratorischen Stils sowie die geschmackvolle Vortragsart beim Solisten hervor. Allein

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