Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Das Dreigestirn
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 29)
- Language
- German
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219 in ihm der Gedanke erwachte, das weitere Studium der Theologiefallen zulassen und sich demKantorfachezuwidmen. Er kannte die Anschauung des Talmuds, der den Bekennern des Judentums für die beiden intellektuellen Träger der Gemeinde, den Lehrer, IPund den abgesandten Vertrauensmann für die Andacht, 7QU hohe Verehrung einflößt. Deutsch wählte den letzten Beruf, weil er für Gesang und Musik ganz besondere Neigung verspürte. Eine Prüfung bei Meister Sulzer bestätigte, daß der junge Theologe für das Kantorfach alle nötigen Fähigkeiten, wie hervorragende Stimme, gutes Gehör und tiefes musikalisches Verständnis für den Vortrag hebräischer Gebete, besaß. So widmete sich Deutsch dem Vorbeterberuf und hatte an dem großen Organisator des Synagogengesanges, Salomon Sulzer, eine kräftige Stütze. Deutsch oblag mit großem Fleiß und Eifer seinen Musikstudien im Wiener Konservatorium, und die bedeutendsten Musiker der Residenz waren seine Lehrer. Der Eleve Deutsch inachte hervorragende Fortschritte und errang bei Musikaufführungen im Konservatorium den ersten Preis, seine große Begabung für Gesang und Musik wurde von den größten damaligen Meistern der Musik nicht allein jüdischer, sondern auch christlicher Konfession rühmend anerkannt. Unter den jüdischen Musikern war es besonders Sulzer, der den begabten, strebsamen Deutsch unter seine Fittige nahm. Als nämlich bei der Wiener Kultusgemeinde in der Seitenstettengasse die zweite Kantorstelle vakant wurde, empfahl Sulzer für diesen Posten den Konservatoristen Deutsch. Es bedurfte nur des Hinweises, und Deutsch wurde neben Sulzer als zweiter Kantor engagiert. Es war kein Leichtes für Deutsch, an der Seite eines Sulzer zu amtieren und sich auch zu behaupten. Sulzer, der den Wiener Gottesdienst ebenso seine Gesangsmethode verbreitet wissen wollte, ließ den jungen Deutsch an erste kantorale Funktionen heran. So oft Deutsch vorbetete, errang er mit seiner großen wohlgebildeten Tenorstimme und seinem künstlerisch abgeklärten Vortrag ungeteilten Beifall. Sein Gesang lockte viele Zuhörer ins Gotteshaus und verschaffte ihm viel Ruhm und An-