Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Das Dreigestirn
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111098-3115986--4498-3116228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
211 — Chören auch solche, die dem synagogalen Stil angehören. Von diesen sei hier der Männerchor im Roschhaschono Musaf „Ich gedenke dir die Holdseligkeit deiner Jugend, die Liebe deiner Brautzeit" erwähnt, der als eine Perle in der Synagogen-Gesangsliteratur angesehen werden kann, und von dem mancher Beter behauptet, er klänge, als wenn er „vom Berge Sinai" wäre. An diese populär gewordene Komposition dachte Gustav Karpeles in seiner Festrede anläßlich des Lewandowskischen 50jährigen Jubiläum, -als er vom alten Liede in der neuen Weise, die der Meister ihm gegeben, sprach. Karpeles sagte damals. „Ein Waisenknabe irrt das Lied durch die Lande; da begegnet ihm der Tondichter, er nimmt sich seiner mitleidig an, er bekleidet ihn mit seinen Melodien und auf den Fittigen des Gesanges zieht es nun in alle Welten, Freude und Segen verbreiten, das alte Lied, die neue Weise. Horch, durch die stille Nacht klingt in diesem Augenblick ein solch altes Lied in der neuen Weise, die unser Meister ihm gegeben. Ist es nun nicht, indem diese Weise an unserem Ohr vorüberrauscht, als vernähmen wir die Harmonien einer Zukunftsmusik, die nur Liebe und Versöhnung kündet als hörten wir nun das Rauschen eines neuen Frühlings, den unsere Dichter und Propheten schon seit Jahrtausenden verkündet haben, als sähen wir nun emporsteigen die Morgendämmerung jenes großen Tag es, d a die aus Irrwahn und Geistesnacht befreite Menschheit in einem Bekenntnis der Bruderliebe sich einigt, an dem Israels Lied zum Liede der Menschheit sich erweitert und von Millionen Stimmen ein einziger Dankespsalm zum Himmel empor sich ringt: Hallelujah, Hallelujah!" Dieses -p gehört zu den Kompositionen, die Lewandowski 'während seiner Amtstätigkeit in der alten Synagoge geschrieben hat. Als er im Jahre 1866 an die Neue Synagoge in der Oranienburgerstraße berufen wurde, entfaltete er auch hier eine umfangreiche Tätigkeit. Lewandowski schuf die Musik für den gesamten Kultus dieses Gotteshauses. Den Chören, die er für die alte Synagoge komponierte, legte er eine Orgelbegleitung unter. Auch viele alte jüdische Weisen für den Vorbeter, wie Uweschofar godol, Ki k’schim’clio, 14*