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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 210

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Das Dreigestirn
Date
1913-01-01
Page
Seite 210 (sequence 20)
Language
German
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210 % erzielte. Kein Wunder daher, wenn das Erscheinen des Lol Linus, seinerzeit in der Kantorenwelt Aufsehen erregte. Noch mehr als in den Rezitativen offenbart sich Lewandowski's Größe in den Chören. Hier lernen wir den bedeutenden Musiker kennen. Hier bewundern wir den Meister in der Polyphonie und den hervorragenden Kontrapunktiker. Der Ausspruch Herder's: „Ein Chor Musizierender ist eine Gesellschaft von Brüdern, er fühlt sich im Strome der Musik als eine Seele, ein Herz", bewahrheitet sich an den Lewandowskischen Chören, weil dieselben trotz ihres reichen musikalischen Inhaltes ein einheitliches Stimmungsbild darstellen. Seine großangelegten und meisterlich durchgeführten vierstimmigen Chöre hat er in zwei Bänden für Sabbat und Feiertage unter dem Namen mött mir, veröffentlicht. Wer empfindet nicht bei den Lewandowskischen Freitag-Abendgesängen, den Einzug und die Begrüßung, sowie die Weihe und Heiligkeit des Sabbats? Der 92. Psalm „Lied für den Sabbattag" hat bei Lewandowski eine zwölfmalige Vertonung erfahren. In jedem dieser Psalmen offenbaren sich trotz desselben Textes, immer neue musikalische Gedanken, die sich durch stimmungsvollen Gehalt auszeichnen, und daher den Hörer fesseln und erbauen. Infolge der dankbaren Lage, der Gangbarkeit aller Stimmen, der kunstgerecht fließenden und klangschönen Stimmführung werden die Lewandowskischen Psalmen überall gern gesungen. Neben diesen musikalischen Vorzügen durchweht die Lewandowskischen Chöre auch ein tiesreligiöser Geist, weil sie aus einem warm jüdischen Herzen geflossen sind. „Hätte der Knabe", sagt Singer mit Recht, „nicht frühzeitig in der heiligen Sprache unseres Volkes beten gelernt, niemals wäre es dem Manne Lewandowski möglich gewesen, zu den hebräischen Worten auch die richtigen Töne zu finden und aus dem jüdischen Geiste heraus Gesänge zu komponieren." Was ich bezüglich des musikalischen Wertes der Chöre des ersten, Teiles Todo w’simra gesagt habe, gilt auch von dem umfangreichen zweiten Teile. Hier finden wir, neben den zahlreichen im oratorischen Stil schwungvoll gearbeiteten

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