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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 209

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Das Dreigestirn
Date
1913-01-01
Page
Seite 209 (sequence 19)
Language
German
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— 209 Gesänge in diesem Erstlingswerke Lewandowskis atmen einen künstlerischen und jüdischen Geist, und es führt daher mit Recht den Namen “31 „Gesang und Gebet". Den traditionellen Melodien widmete Lewandowski ganz besondere Aufmerksamkeit und kleidete dieselben in eine musikalische Form, die dem Vortragenden viel Freude bereitet. Mit dem synagogalen Stil war Lewandowski voll und ganz vertraut, daher trugen alle seine Rezitative den Stempel des alten ehrwürdigen „Chasonus". Die Tonsprache Lewandowskis ist edel und vornehm und von tief religiöser Empfindung durchdrungen. Seine Tonschöpfungen verfehlen nie die gewünschte Wirkung beim Gottesdienste. Denn er verstand, wie Prof. Dr. Maybaum anläßlich des Hinscheidens dieses großen Meisters, mit Recht behauptet, „dem synagogalen Gesänge die edelste Kunstform aufzuprägen, ohne ihn seines eigenartigen, den Israeliten anmutenden Charakters zu entkleiden". Auch in den modernen Lewandowskischen Rezitativen liegen, wie Singer behauptet, „Würde und Schönheit des melodischen Ausdrucks. Aus jeder dieser Nummer strömt uns eine Fülle musikalischer Schönheiten, ein gesättigtes fachmännisches Zielbewußtsein und eine Reinheit des Stiles entgegen". Daher ist auch die Wirkung der modernen Lewandowskischen Rezitative eine ergreifende, wohltuende und besänftigende. Nicht allein das sogenannte Obasonus, welches nach Jacobsohn „eine unerschöpfliche Quelle erhebender religiös-musikalischer Ideen enthält" *), fand durch die Meisterhand Lewandowskis sorgsame Bearbeitung, sondern er richtete auch sein künstlerisches Auge auf den Gemeindegesang. Die Verhältnisse der kleinen und auch größeren Gemeinden berücksichtigend, komponierte Lewandowski im Kol Rinna auch zweistimmige Gemeindegesänge, welche sich durch leichtfließende Melodik und Harmonik auszeichnen. So zeigt sich auch hier die künstlerische Individualität Lewandowskis, indem er in knapper Musikform, die ja bekanntlich die schwierigste ist, Bedeutendes ’) Siehe Jacobsohn, Der religiöse Gesang in der Synagoge. 14

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