Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Das Dreigestirn
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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208 frisches, neues Leben in die kulturellen Verhältnisse der Berliner jüdischen Gemeinde. Die beiden Männer Lewandowski und Lichtenstein ergänzten sich gegenseitig. Die großen Kenntnisse Lichtensteins in den alten jüdischen Sangesweisen regten Lewandowski zum Komponieren kantoraler Rezitative an. Dagegen war Lewandowski die musikalische Säule Lichtensteins, Die.allererste Aufgabe, die Lewandowski zu erfüllen hatte, war, einen Chor einzurichten, der wenigstens die nötigen Responsorien vierstimmig singen sollte, wie sie bereits in Wien gesungen wurden. Die Chöre im Schir Zion regten Lewandowski^ Tatkraft an, und er schuf auf der Sulzerschen Basis einen formvollendeten Chorgesang. Lewandowski zeigte somit damals, wie Singer mit Recht behauptet, „daß man als Dirigent erfolgreich künstlerisch wirken kann, indem man die Geistesprodukte anderer verwertet, ohne die Welt mit eigenen Kompositionen zu beglücken." Nachdem Lewandowski eine 25 jährige erfolgreiche Dirigententätigkeit hinter sich hatte und nachdem er mit der Praxis des synagogalen Gesanges vertraut war und genügende Erfahrung gesammelt hatte, ging er an die Veröffentlichung seines synagogalen Werkes run blp heran. Die Hoffnung, die Sulzer an das Erscheinen seines Schir Zion geknüpft hatte, nämlich, wie er dort in der Vorrede spricht: „verwandten Geistern einen Impuls zu verleihen, daß sie auf nun angebahntem Wege weiter schreitend, mit Verständnis, Erfahrung und Kunstsinn die Veredelung des gottesdienstlichen Gesanges fördern werden", ging besonders an Lewandowski in Erfüllung. Getragen von dem Gedanken, daß der Vorbeter, selbst bei Aufwendung der möglichst größten chorischen Kräfte, der alleinige Träger und Leiter des israelitischen Gottesdienstes war und ist, erfüllt ferner von der heiligen Aufgabe, die unsterblichen Weisen, welche unsere Väter uns überliefert haben, sorgsam zu pflegen und künstlerisch zu gestalten, schuf Lewandowski seinen im blp. Hier hat der Autor, wie er auch selber in der Vorrede zu diesem Werke sagt, den Rezitativen für den Vorbeter besondere Sorgfalt zugewendet und dieselben mit Vorliebe behandelt. Die