Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Das Dreigestirn
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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207 Schwester, der späteren Frau Schottländer, zu danken, daß er arnLeben blieb. Die physischenKräfteLewändowski's begannen nach langer Ruhe wieder zu wachsen und nun lenkte er seine Musiktätigkeit auf den damals spärlich bearbeiteten Pfad des Synagogengesanges. Das Bild seines frommen Vaters, seiner geliebten Mutter, Geschwister, die Sabbate und Feiertage, wie alle religiösen Eindrücke im frommen elterlichen Hause erstanden lebendig vor ihin und erfüllten neu und jugendfrisch seinen Geist. Ausgesöhnt mit seinem Geschick, ausgerüstet mit allen künstlerischen Fähigkeiten, wurde Lewandowski im Jahre 1840 vom Vorstande der Berliner jüdischen Gemeinde an die alte Synagoge berufen. Durch den Einfluß Moses Mendelssohn's war auch für den jüdischen Gottesdienst eine Wendung zum Bessern eingetreten. Letzterer wurde hier in Berlin mit dem Amtsantritt Lewandowskis noch nach streng alter Arb von „Chasan, Baß und Singer!" ausgeführt. Der Berliner Vorstand war eifrig bemüht, Wandel zu schaffen, sandte Lewandowski nach Wien, um dem dortigen Gottesdienste beizuwohnen und sich mit den Gesängen des Schir Zion vertraut zu machen, die er auch später in Berlin einführte. Allein dem damaligen Kantor Ascher Lion wollten die Sulzerschen Gesänge nicht sonderlich behagen und es entbrannte, wie Lewandowski später in einem Aufsatze „Zwei Cantoren aus alt Berlin" erzählte, beim Studium ein Streit über die Noten im Schir Zion. Die Anstellung einer jungen Kraft, welche als Vorbeter im modernen Sinne wirken sollte, wurde schon auf Anregung des Dr. Michael Sachs, der von Prag kam, wo bereits ein zeitgemäßer Gottesdienst war, durch den Vorstand zum Beschluß erhoben. Die Gemeinde richtete ihren Blick auf Kantor Lichtenstein in Stettin, dem ein großer Ruf voranging. Lichtenstein folgte der ehrenvollen Einladung des Vorstandes und in seinen: Probevortrag entzückte er die Hörer durch seine .herrliche nach Höhe und Tiefe gleich umfangreiche Stimme. Lichtenstein wurde engagiert, und mit dem Beginn seiner amtlichen Tätigkeit, so schreibt später Lewandowski, kam