Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Das Dreigestirn
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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206 Stück für großes Orchester bearbeiten. Den an Lewandowski gestellten Anforderungen entsprach er vollkommen und somit erfolgte seine Aufnahme als Eleve in die Akademie der Künste für musikalische Sektion. Lewandowski studierte mit Fleiß und Eifer und erwarb sich die volle Sympathie seiner Lehrer Rungenhagen und Grell, die ihn oft durch Prämien auszeichneten. Der künstlerische Einfluß der Akademie wie der öftere Aufenthalt im Haufe Mendelssohn's gestalteten sich, wie Singer mit Recht behauptete, für Lewandowski „zu einer Lebenssonne, in deren Strahlenglanze die Fähigkeiten des Kunsteleven um so offenbarer erschienen, durch deren belebende und erquickende Wärme jedoch auch dessen Anlagen und Talente wunderbar geweckt und zu prächtigen Blüten entfaltet wurden." Lewandowski wurde eine Zierde der Akademie und wo eine künstlerische Aufgabe zu lösen war, sah man ihn in den vorderen Reihen. Bei einer vom der Akademie gestellten Preisaufgabe, bei welcher eine Kantate für Chor, Soli und Orchester zu komponieren war, ging Lewandowski als preisgekrönt hervor. Diese Arbeit, wie auch seine preisgekrönte Symphonie wurden, wie seine Biographen Singer und Jacobsohn zu berichten wissen, von der Singakademie in Gegenwart des Lehrerkollegiums und eines geladenen Publikums unter persönlicher Leitung des Preisgekrönten mit großem Beifall aufgeführt. Nach der Aufführung drückte Rungenhagen dem jungen Komponisten seine Zufriedenheit auch über dessen Dirigententalent aus. So nahm die künstlerische Entwickelung Lewandowski's einen ungeahnten Verlaus. In ihm waren alle Eigenschaften eines Kunstheroen vereinigt und die nächste Zukunft ließ schon Bedeutsames aus seiner Feder erwarten. Jetzt, wo Lewandowski die Früchte seiner langjährigen Arbeit genießen sollte, jetzt, wo er als praktischer und ausübender Musiker ins Leben treten und seine geträumten Ideale verwirklicht sehen sollte, warf ihn ein böses Verhängnis auf das Siechbett und die Aerzte geboten dem Kranken absolute Ruhe.' Lewandowski wurde zu einer vierjährigen Untätigkeit verdammt, und nächst Gott war es der Tag und Nacht unausgesetzten aufopfernden Pflege seiner