Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Das Dreigestirn
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 15)
- Language
- German
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205 einem Enkel Moses Mendelssohn's, von dem musikalisch beanlagten mittellosen Letvandowski. Mendelssohn ersuchte Salomon Pleßner^ ihm den Knaben zuzuführen. Lewandowski folgte der Einladung und betrat mit pochendem Herzen das Haus Mendelssohn's. Die ersten Worte, die Lewandowski sprach, waren: „Ich kann schön singen." Mendelssohn forderte ihn zum Singen auf. Bei einem erneuten Besuche spielte Mendelssohn mit Lewandowski Violinduette. Er bewunderte das Spiel des Knaben, dessen .Intonation und musikalische Auffassung. Im Hause Mendelssohn's verkehrten die ersten Künstler der Residenz, und Lewandowski hatte somit Gelegenheit, sich an den dort stattgefundenen Musikaufführungen, wie auch an den wissenschaftlichen Unterhaltungen zu beteiligen, welche von großem Einfluß auf den Kunstschüler waren. Ja, es entstand sogar zwischen Mendelssohn und Lewandowski ein gewisses Freundschaftsverhältnis. Jener war nun von dem Wunsche beseelt, dem reichbegabten Knaben alles das zu bieten, was für seine Ausbildung nötig ist. Die Kunstätmosphäre im Hause Mendelssohn brachte in dem Jüngling endlich den Gedanken zur Reife, sich vollständig der Musik zu widmen. Zwei Jahre hindurch hörte Lewandowski an der Berliner Universität Vorlesungen bei Professor Marx über Formenlehre, Harmonielehre, einfachen und doppelten Kontrapunkt und Orchesterlehre und arbeitete mit großem Eifer in allen diesen Fächern. Auch hörte er bei den Professoren Dove und Gans Akustik und Geschichte. Allein Lewandowski's sehnlichster Wunsch ging dahin, in die Akademie der Künste ausgenommen zu werden, an deren Spitze der damalige Minister Eichhorn stand. Mit der Einreihung eines jüdischen Eleven in eine Anstalt, die bis dahin von keinem Juden besucht war, sollte mit einer bestehenden Tradition gebrochen werden. So war auch hierbei die Protektion Alexander Mendelssohn's von großer Wichtigkeit. Die Aufnahmeprüfung dauerte zwei Tage. Lewandowski mußte in der Klausur zwei Chöre geistlicher Richtung komponieren, ein von einem andern angefangenes Streichquartett vollenden und ein für Pianoforte komponiertes