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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 201

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Das Dreigestirn
Date
1913-01-01
Page
Seite 201 (sequence 11)
Language
German
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201 Meister sollte der Natur den Tribut zollen, und die Wiener Kultusgemeinde suchte im Jahre 1881 einen Nachfolger. Die Wahl fiel auf Josef Singer, Oberkantor der Nürnberger Kultusgemeinde. Am Sabbat, den 2. April 1881, nahm der gefeierte Oberkantor der israelitischen Kultusgemeinde, Professor Salomon Sulzer, nach 55 jährigem Wirken von seiner Gemeinde Abschied, um in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. Jellinek hob in seiner geistvollen Predigt ganz besonders die hohen Verdienste des Scheidenden um die Gemeinde sowohl, wie um das gesamte Judentum überhaupt hervor, gedachte in rührenden Worten des Umstandes, daß Sulzer gerade an demselben Sabbat vor 65 Jahren zum ersten Male zum Altar getreten sei und schloß mit dem Wunsche, daß der scheidende Sänger noch lange in seiner geistigen und körperlichen Frische erhalten bleiben möge. Sulzer trug dann das Gebet in seiner meisterhaften, durch den weihevollen Augenblick noch gehobenen Weise vor. Von dem Wiener Rabbinat wurde dem Nestor der Titel „Morenn" verliehen, während die Kultusgemeinde ihm für Zeit seines Lebens einen ständigen Sitz im Bethause sicherte. Neun Jahre erfreute sich Sulzer seiner wohlverdienten Ruhe, und sein Amtsnachfolger hütete mit inniger Pietät - und feinem künstlerischen Sinn das heilige Vermächtnis seines großen Vorgängers, sowie die Tradition des äBicttßr lEcntpcfö. Am Sabbat, den 17. Januar 1890, hauchte Salomon Sulzer seine Seele aus. Sein liederreicher Mund, der Tausende und Abertausende begeisterte, verstummte. Am 20. Januar wurde Sulzer unter großen Ehren zu Grabe getragen. Im Seitenstettentempel, wo er ein ->122 im vollen Sinne des Wortes war, fand eine erhebende Trauerfeier statt. Oberkantor Singer entzündete das Seelenlicht und stimmte das Sulzer'sche Requiem „8obimn 808 kol hoamim" an. Nachdem die weihevollen Akkorde verklungen waren, hielt Or. Jellinek eine ergreifende Trauerrede. vlfP n?1j?n rief er aus, die Stimme, welche entzückte, überwältigte und begeisterte,

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