Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Das Dreigestirn
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 9)
- Language
- German
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199 Sulzer fand auch äußere sichtbare Zeichen der Anerkennung in reichstem Maße. Vom Kaiser Ferdinand erhielt Sulzer für die Leistungen des Freitag-Abend-Gottesdienstes, dem er beiwohnte, einen Brillantring. Vom Kaiser Franz Josef bekam Sulzer die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft, mit derselben wurde er auch vom Kaiser Nikolaus I beehrt, und der Sultan erteilte ihm den Medschidje Orden. Von der „Gesellschaft der Musikfreunde" in Wien erhielt Sulzer den ehrenvollen Ruf als Professor des Gesanges am Konservatorium zu wirken. Er folgte dieser Einladung und entfaltete dort drei Jahre hindurch eine anerkannte und erfolgreiche Tätigkeit. Sulzers Eltern haben den Ruhm des Sohnes nicht nur erlebt, sondern auch viele Jahre mitzuleben das Glück gehabt. Seine Mutter mag oft an den Ausspruch des sterbenden Großvaters: „Ich bin versichert daß aus dem Kind ein großer Mann werden wird", gedacht haben, wenn sie gesehen und gehört, welche Stellung sich ihr Salomon durch sein Talent und seinen Fleiß in der Welt errungen. Am Pessach des Jahres 1866 feierte Sulzer seine 30 jährige Amtswirksamkeit. Aus diesem Anlaß überreichte ihm der Kultusvorstand eine Adresse, worin seine Verdienste als Chasan und Komponist gepriesen wurden. Die Anerkennung, welche dem Verfasser des Schir Zion von allen Seiten gezollt wurde, ebenso der rastlose Eifer, der ihn immer Neues zu schaffen drängte, hatten zur Folge, daß Sulzer im Jahre 1866 einen zweiten Teil Schir Zion veröffentlichte. Der zweite Teil kann als Fortsetzung und Ergänzung des ersten Teiles betrachtet werden. Hier fanden die alten Synagogenmelodien in ihrer Ursprünglichkeit und Eharaktereigentümlichkeit noch mehr Berücksichtigung und der künstlerischen Anforderungen entsprechend, wurden sie rhytmisiert und harmonisiert. Hier findet man auch zum ersten Male die Melodien der und der Klagelieder bearbeitet. Daß diese Funktionen von dem PN ausgeübt werden sollten, ist ein Verdienst Sulzers. Er las das Buch Esther und trug die Klagelieder Jeremias zur Bewunderung und zum Staunen