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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 197

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Das Dreigestirn
Date
1913-01-01
Page
Seite 197 (sequence 7)
Language
German
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197 sich, dem Freitag-Abend-Gottesdienst im jüdischen Tempel beizuwohnen. Der Vorstand, hiervon in Kenntnis gesetzt, ließ die Vorstandsloge mit Sammet verzieren. Der Kaiser kam und hörte Sulzer mit sichtbarem Vergnügen bis zum Schluß des Gottesdienstes, worüber sich selbstredend die' ganze österreichische Judenschaft hochgeehrt fühltet) Auch Fürsten im Reiche der Töne, wie Franz Liszt, nahmen Veranlassung, den berühmten Wiener Oberkantor im Tempel zu hören, und erhielten beim Gesänge Sulzers den Eindruck einer „national-jüdischen Kunst". Aber noch überwältigender war der Eindruck auf den jüdischen Hörer, der sich zugleich in den Geist der hebräischen Gebetsprache, vertiefte. Denn Sulzer legte auf den Sinn des Wortes und des Satzes großen Wert, so daß der Gebetinhalt mit der Melodie als untrennbar erscheint. In Sulzer war ein eminent jüdischer Künstler, der jüdisch gedacht, jüdisch komponiert und jüdisch gesungen, erstanden. So faßte Sulzer nach 15 jähriger amtlicher Tätigkeit und fleißigen Studien den Entschluß, seine Arbeiten der Öffentlichkeit zu übergeben. Im Jahre 1839 erschien die erste Frucht seiner Schöpfungen auf dem Gebiete der synagogalen Musik, sein monumentales Werk „Schir Zion". Hier zeigte Sulzer sein hervorragendes kompisitorisches Talent, den klassischen Aufbau der Motive, die naturgemäße, wirkungsvolle Modulation, bequeme und melodiöse Stimmführung. Die aus der Feder Sulzers hervorgegangenen Chöre zeigen dessen hohe Bedeutung als Schöpfer eines gediegenen Chorsatzes, so daß jeder Ton bei Sulzer, wie Singer sinnig behauptet, „zur Blume heranreift, welche nicht blos durch Farbenpracht, sondern auch durch herrlichen Dust auf uns wirkt". Mit seinen kunstvollen Chören und seinem Gemeindegesang brachte er Ordnung in die Synagoge und somit eine Regelung des Gottesdienstes. Hier war er auch der Wegweiser, wie die altjüdischen, traditionellen Melodien in moderner Notenschrift wiedergegeben werden können. Ja, Sulzer hat in seinem Schir Zion, wie Oberkantor Friedmann in Pest mit Recht l) S. Sulzer von M. Rosenhaupt.

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