Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Das Dreigestirn
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 6)
- Language
- German
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196 Bewunderung zu verlocken, sich der Bühne zu widmen. In der. ihm eigenen schalkhaft-humoristischen Weise erwiderte Sulzer: „Was möchte Gott dazu sagen?"^ Meyerbeer ließ bei seiner Soirse in Wien Sulzer singen. In seinem Salon waren fortan die Notabeln Wiens beständige Gäste. Man fand dort Costelli, Lenau, Davidsohn, Frankl, Mozarts Sohn, die Hofschauspieler Haizinger und La Roche. Sulzer wurde zum kaiserlichen Hofe berufen und sang in den Apartenients der Erbherzogin Sophie. Letztere wollte Sulzer zum Hofkapellensänger ernennen lassen, was dieser ausschlug. Fürst Metternich nahm Sulzer häufig zu seinen Jagden mit, worüber der Vorstand bittere Gesichter schnitt und dem Kantor seinen Unmut kundgab. Kam nun der Komponist Hachel mit einer Einladung Sr. Durchlaucht, so lehnte es Sulzer ab, „weil es ihm der Vorstand verboten habe." Der Fürst-Kanzler gab sich jedoch hiermit nicht zufrieden, er schickte regelmäßig zu Präses Biedermann, der gute Miene zu bösem Spiel machte und natürlich seine 'Einwilligung nicht vorenthalten konnte3). Einst forderte ihn, wie Ludwig August Frankl in seinen Erinnerungen an Salomon Sulzer erzählt, die Kaiserin Karoline Auguste in einem zum Besten der grauen Spitalschwestern von ihr patronisierten Konzerte zur Mitwirkung auf. Als Sulzer erklärte, es hänge dies von der Erlaubnis seines Synagogenvorstandes'ab, ließ die Kaiserin an diesen ihren Wunsch aussprechen. Der erste Kultusvorsteher Biedermann hatte den Mut, den Wunsch der Kaiserin mit der in tiefster Ehrfurcht ausgesprochenen Motivierung abzulehnen, daß es einem im Dienste Gottes stehenden Sänger nicht gezieme, auf dem Theater zu erscheinen, doch lege er, um den' vielleicht sich ergebenden Verlust einigermaßen zu ersetzen, 100 Dukaten in Gold für das katholisch geleitete Spital M3). Als Kaiser Ferdinand erfuhr, daß Sulzer sich ganz besonders in der Synagoge in seinem wahren Elemente zeige, entschloß er y L. A. Frankl, Erinnerungen an S. Sulzer, Allg. Z. d. I. 1891. 2) S. Sulzer von M. Rosenhaupt, h L. A. Frankl. Erinnerungen an Sal. Sulzer.