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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 192

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Das Dreigestirn
Date
1913-01-01
Page
Seite 192 (sequence 2)
Language
German
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192 steten treuen Begleiter des jüdischen Volkes und selbst in den traurigsten Epochen der Geschichte wurde in der Synagoge gesungen. Diese Gesänge, hervorgerufen durch die Anbetung des einig einzigen Gottes, nahmen im vorigen Jahrhundert durch die Männer Salomon Sulzer, Louis Lewandowski und Moritz Deutsch eine ausgeprägtere künstlerische Gestalt an. Salomon Sulzer erblickte am 30. März 1804 in Hohenems das Licht der Welt. Seine Ahnen stammten aus Sulz in Voralberg, führten den Familiennamen Levi und wurden, wie Rosenhaupt berichtet, mit 20, in früherer Zeit eingewanderten Familien gleichen Namens aus Sulz im Elsaß, woselbst sie eine Gemeinde bildeten, bei einer Judenverfolgung vertrieben. Der damals reichsunmittelbare Graf von Hohenems nahm sie gastlich auf. Seirlen verlassenen Wohnort nicht vergessend, nannte sich der Großvater Sulzers von nun an Sulz, woraus sich später der Name Sulzer bildete. Jener Sulz liegt in Hohenems begraben, wo auf seinem Grabstein ein Messer figuriert, als Symbol dafür, daß er im Leben die Mohel- Funktion verrichtet hatte. Auch an seinem Enkel Salomon hat er jenen rituellen Akt vorgenommen, bei dessen Schluß er die Hand auf das Köpfchen des Kindes legend, hinzufügte: „Dieser wird ein großer Mann werden." Die Eltern Sulzers waren reiche und angesehene Leute, sein Vater, Josef Sulzer, war Fabrik- und Hausbesitzer in Hohenems und eignete sich eine, damals bei den Juden noch selten zu findende Bildung an. Seine Mutter, Fanny, war ebenfalls eine feingebildete Dame. Der kleine Salomon war ein viel verheißender Knabe von lebhaftem^ feurigem und mutigem Temperamente, der infolge feiner Streiche manchmal Gefahren ausgesetzt war. Als einst der Emsbach sehr angeschwollen war, wagte sich der wilde Junge diesem reißenden Gebirgswasser zu nahe und fiel hinein. Verzweiflungsvoll rangen die Eltern die Hände und schrieen nach Rettung und Hilfe, aber niemand aus der gaffenden Menge traute sich dem furchtbaren Elemente nur zu nähern, geschweige denn sein Leben für die Rettung des Kleinen zu wagen. Da trat ein Bauer,

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