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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 188

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Aus meiner Knabenzeit
Date
1913-01-01
Page
Seite 188 (sequence 24)
Language
German
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188 Auf der rechten Langseite schaaren sich verschiedene Personen um den Redner des Abends, der es versteht, externxore jüdisch-deutschen Geschichtswerken nachzuerzählen, was er aus der Lektüre derselben in sich ausgenommen hat. So z. B. aus dem Josippon, aus dem Scheerit Jisroel, von den zehn Stämmen, die verloren gegangen, vomSambation und dergleichen Mehr. Der Erzähler führt den Namen R. Michel Schlimmer; diesen Familiennamen hat er von seinem temparentvollen Naturell, das sich auch in allen seinen Gesten und Fingerbewegungen beim Erzählen kundgiebt, erhalten — und zwar vom Bürgermeister. Mit welcher Willkür ein solcher Beamter bei der nach der Einsührung des Gesetzes (s. oben S. 175) verlangten Annahme eines festen Familiennamens verfuhr, weiß man viel zu erzählen. Die damaligen Juden legten keinen Wert auf die Wahl eines Namens und überließen sie dem Ermessen des Beamten. So konnte es kommen, daß der Fleischer Abraham den Namen Betrug erhielt, den erst später seine erwachsenen Söhne von sich abzuschütteln unternahmen. Fleischer Eisig, eine ungeschlachtete Hünengestalt, I erhielt nicht den Namen Fleischklotz, dafür aber das j Monstrum Blumenklotz. Aron, ein Stammler, befragt H wie er heißen wolle, zeigte seine Verlegenheit darin, daß j! er fluchte und die Worte ausstieß: ״Verschwarzt, ich j weiß" — darauf hin legte ihm der Bürgermeister den I Namen ״Schwarzweiß" bei, wie ihn noch heute seine II Enkel führen. An Michel Schlimmers geschichtliche Unterhaltungen j t erinnerte ich mich später, so oft ich das jüdisch-deutsche! ׳ Schrifttum literarisch behandelte. Eine Erinnerung hier- 1 aus sei noch besonders erwähnt. Er erzählte nämlich, Ifji daß er an jenem Tage eine Unterredung mit dem evangelischen Pastor aus dem nahen Dorfe P. geführt habe, ä1 wobei dieser den vulgär gewordenen Vorwurf wiederholte, l|._ daß die Juden von Gott verworfen seien, im Golus |ji' leben müßten usw. |'i Reb Michel streifte seine Hemdsärmel auf, fuchtelte jL mit den Armen herum und rief heftig aus: ״Wir Juden haben aber einen goldenen Aff," worauf der Geistliche i i

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