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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 185

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Aus meiner Knabenzeit
Date
1913-01-01
Page
Seite 185 (sequence 21)
Language
German
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185 — Nicht immer wurde es mir möglich gemacht, den gegebenen Stoff in seiner ganzen Tiefe zu durchdringen, besonders da. wo nicht das rechte Wort eintrat, um das Kompakte, wenn ich es so sagen darf, das in der Diskussion unentwirrt dalag, analytisch zu scheiden. Auch die grammatische Form und die hieraus sich ergebende sachliche Bedeutung des Ausdrucks ließ oft im Stiche. So konnte ich mehrere Male Blatt 22b in Baba Meziah wiederholen כי ירתך דומיא דכי יתן, ohne daß mir klar wurde, worauf die hierfür bezeichnete Analogie beruhe. Damals allerdings nicht, aber später habe ich das Bedürfnis gefühlt, meine ״Beiträge zur hebräischen Grammatik im Talmud und Midrasch" an Tageslicht treten zu lassen. Aber bald sollte ich einer mehr methodischen Einführung in das Talmud-Studium mich erfreuen. Als ich nämlich, wie es Brauch war, zum Rabbiner zum wöchentlichen Verhör kam, um das beim Rabbi in der Woche durchgenommene Pensum .vorzutragen, redete er mich freundlich an, wie seine Weise war, mit den Worten: ״Du wirst gewiß kennen, was du diese Woche gelernt hast; aber es ist Zeit, daß du zu leinen beginnst." Er gab mir hierauf ein Leinen auf, d. h. eine bestimmte Piece in dem Talmud-Traktat, welche ich selbständig auffafsen und einstudieren sollte, um sie dann nach einigen Tagen vor ihm aufzusagen. Freudestrahlend eilte ich nach Hause und erzählte von meinem Fortschritte. Uebrigens war es an der Zeit, daß ich zum Rabbiner Simon Zuckermann in das Bet-Hamidrasch kam, denn schon hatten einige Ultras meinem bisherigen Rabbi ins Ohr geflüstert, daß ich nach Berlin kommen werde, um mich zum ״deutschen Rabbiner" auszubilden, wozu er doch nicht die Hand bieten sollte. Das Geschrei über die ״deutschen Rabbiner" und ihre Reformvorschläge in den Versammlungen zu Braunschweig (1844) und zu Frankfurt a. M. (1845) war bis in die kleinsten Gemeinden gedrungen. Der erste deutsche Rabbiner in der Provinz war Dr. I. Geb- Hardt, der 1842 nach Wreschen als Rabbiner berufen

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