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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 180

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Aus meiner Knabenzeit
Date
1913-01-01
Page
Seite 180 (sequence 16)
Language
German
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״י 180 der Vater, es einst mit der Mutter Rachel nicht in gleicher Weise getan habe, die auf dem Wege nach Ephrat gestorben war und hier in der Nähe von Betlechem ihre letzte Ruhestätte gefunden hatte. Dies fei aus Gottes Bestimmung zurückzuführen; denn in späteren Zeiten ׳ werden die Kinder Israel von Nebussaraddon in die Gefangenschaft geführt werden und am Grabe ihrer Stammutter Rachel vorbeiziehen, die aus dem Grabe erstehen und Gvtt um Erbarmen für ihre Kinder anflehen werde. Hierauf beziehe sich der prophetische Ausspruch: ״Eine Stimme wird in der Höhe gehört; Rachel weint um ihre Kinder, sie will sich nicht trösten lassen. Und sie weint, und sie schreit und ruft: Allmächtiger Gott, ich kann nicht aufhören zu weinen und kann mich nicht trösten lassen, bis Du Dich wieder meiner Kinder erbarmt hast. Und Gott antwortet: Hör' auf, meine Tochter Rachel, du sollst nicht mehr weinen; denn es wird eine Zeit kommen, in der deine Kinder wiederkehren auf ihren Gemark," wie es in jüdisch-deutscher Mundart hieß. Dies alles erklang dem zartbesaiteten Gemüte des Knaben wie eine Stimme aus Himmelshöhen, und die Tränen rollten ihm über die Wangen, als er es vernahm. Eine andere Paraphrase, nämlich zu dem Schriftverse ״Simeon und Levi sind Brüder," in der ganz dramatisch geschildert wird, wer an Josephs Verkauf die Schuld trage, unisono mit besonderer Betonung (Nigun) vorgetragen, rief einen stimmungsreichen Moment hervor, der einmal plötzlich eine Unterbrechung erfuhr. Es trat ein Fremder in das Zimmer, der in seinem schwarzen Anzuge mit weißer Kravatte als etwas Höheres erschien. Der Rabbi lüftete sein Käppchen, schon fürchtete er einen Regierungsbeamten, der ihn wegen seiner gesetzlich nicht konzessionierten Schule zur Verantwortung ziehen möchte. Der Herr suchte aber bald die sichtbare Verlegenheit des Rabbi zu zerstreuen, indem er ihn ftagte: ״Kennen Sie inich nicht?" und als er die Frage verneinte, fuhr der Fremde fort: ״Erinnern Sie sich nicht mehr an Jtzig Parich? — der bin ich." ״Der war doch mein Talmid," erwiderte der Rabbi — Schüler wollte er nicht sagem

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