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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 179

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Aus meiner Knabenzeit
Date
1913-01-01
Page
Seite 179 (sequence 15)
Language
German
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179 druck, als ich damit begann, ist mir noch so lebhaft im Gedächtnis geblieben, daß ich feststellen kann, in der Woche, da man den Abschnitt Wajera lesen sollte, habe ich den Unterricht bei meinem neuen Lehrer, dem Talmudweisen Reb Leib begonnen. Er trug den Abschnitt im Jargon vor, dessen er sich überhaupt bediente, wobei auch zugleich Raschi, allerdings nur bis zum 2. Kapitel, eingeübt wurde. Am Schlüsse der Woche rühmte ich mich bereits vor meinem Vater mit meiner Raschi-Kenntnis — aber bald sollte ich erfahren, daß meine Ruhmrederei nur eitel sei! Denn als ich zu lesen begann: ״Es war am dritten Tage nach seiner Beschneidung," unterbrach mich der Vater mit der Frage, woher Raschi dies wisse, worauf er mich auf die Stelle im ersten Buche « Moses 34, 25 (am 3. Tage) hinwies. Eine geheime Andeutung, daß ich später in meinen Raschi-Arbeiten vorzüglich mich bemühen werde, die Quellen für Raschis Auslegungen zu ermitteln! Was ich aus dem Jargon später als Material für das Mittelhochdeutsch gewonnen habe, davon handelt mein Aufsatz ״Die mittelhochdeutsche Sprache bei den Juden" im Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur, 1898. Dem Unterrichte folgte ich mit besonders inniger Teilnahme, im Gegensätze zu meinen Mitschülern, die mechanisch nachübersetzten, ohne jedes Gefühl. Wenn ich die Klagelieder Jeremias übersetzte, so traten mir bei der Schilderung vom Falle Jerusalems die Tränen in die Augen — ich schämte mich nicht vor meinen Mitschülern, zu weinen. Vorzüglich ergriff mich die Paraphrase zum Schriftverse im ersten Buche Moses, Kapitel 48 ״als ich von Padan kam, starb mir Rachel" usw. Der sterbende Jakob bittet seinen Sohn Joseph, ihn nicht in Aegypten zu begraben, sondern in Kanaan in der Doppelhöhle, in welcher Abraham und Isaak mit ihren Frauen beerdigt waren. Der Rabbi verstand es, Raschis Erklärung zu paraphrasieren, indem er, wie in einem Drama, mit Wehmütigem Pathos ein Gespräch zwischen Jakob und Joseph entwickelte, um letzteren darüber zu beruhigen, dah er, 12»

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