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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 176

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Aus meiner Knabenzeit
Date
1913-01-01
Page
Seite 176 (sequence 12)
Language
German
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176 Gutachten der Name Mansche allerdings ein in der Thora begründeter und noch jetzt gebräuchlicher jüdischer Vorname ist." — Aus dieser Zeit der Verfinsterung, in der man von oben herab den ״beschränkten Untertanenverstand" wie ein Dogma verkündete, ging eine Leuchte hervor: Zunz ließ sein klassisches Buch: Namen der Juden erscheinen. * H * Meine allererste Lebenserinnerung findet mich als einen dreijährigen Knaben am feierlichen Tage des Neujahrs im Gotteshause, wo mein Vater mich auf die unterste Stufe des zur heiligen Lade hinaufführenden Treppchens setzen wollte. ״Nein." sagte ich, ״hier sitze ich nicht, da wohnt doch der liebe Gott!" Die Ehrfurcht vor dem Gotteshause hat mich mein ganzes Leben hindurch erfüllt, wie ich es auch in Schrift und Wort vielfach kundgegeben habe. Ms man im Alenu-Gebet sich betend niederwarf, frug ich den Vater, was ich tun sollte — da sagte er, ich möchte, auf der Erde mit dem Gesichte liegend, für Eltern und Geschwister beten, es war mein erstes Gebet, das kindlich und innig aus dem Herzen kam! Mit meinem Leseunterricht hatte der Vater recht zeitig begonnen; er wußte in sehr methodischer Weise die Lautlehre der Leiden Sprachen (hebräisch und deutsch) zu vereinigen und zur Hebung zu führen. Für meine Fortschritte sollte ich bald belohnt werden. Es war meine erste Freude im Leben — ich darf sie wirklich so bezeichnen — denn ich fühlte sie, ich empfand sie, sodatz sie noch heute in mir einen Nachhall wachruft. Ein Freund, der nach Frankfurt zur Messe reiste, versprach mir einen neuen Siddur. Die Reise dauerte damals bis zur Rückkehr mehrere Wochen; sie wurde schwieriger angesehen, als heutzutage eine Fahrt nach Amerika. Der Abreisende ging von Haus zu Haus, um Abschied zu nehmen. ״Bleibt mir gesund," sagte er und erhielt dafür den Gegengruß: ״Mit Gesund sollt ihr wiederkommen."

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