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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 172

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Aus meiner Knabenzeit
Date
1913-01-01
Page
Seite 172 (sequence 8)
Language
German
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172 wahrscheinlich den Namen ״Berliner" eintrug, wie man noch heute in Wilna jeden zur Aufklärung Neigenden einen Berliner nennt. Daß mein Großvater aber auch diesen Familiennamen führte, und zwar noch vor 1793, ergibt sich mir aus folgendem: Er hatte in der großen auswärtigen Lotterie gespielt, die in polnischer Zeit ziemlich verbreitet war und erst durch ein Reskript vom 21. September 1793 verboten wurde, da man dafür die preußische Lotterie einführte, und mag dabei mit der Hoffnung sich herumgetragen haben, das große Loos zu gewinnen, in welchem Falle dann, wie man sich erzählte, eine Estafette vor dem Hause des glücklichen Gewinners erscheine und durch Trompetenschall das Glück verkünde. Nun lag einmal mein Großvater, nach alter Väter Sitte, auf der langen Ofenbank, schlafend, träumend. Da mit einem male hörte man Trompeten, mein Großvater erwachte, sprang auf und eilte auf die Straße, mit dem Aufschrei: ״Was, Jakob Berlin hat das große Loos gewonnen! Hier wohnt. Jakob Berlin!" Aber arge Täuschung: es waren Kunstreiter, die ihre Aufführungen für den folgenden Tag ankündigten. Man verzeihe mir dieses Intermezzo. Mein Vater besuchte die Schule, das Haupt mit einer täglich frisch gewaschenen Schlafmütze mit steifem Aufstieg bedeckt, mit einem gehobelten Brett und mit Kreide versehen, statt Schiefertafel und Stift, damals noch unbekannt, für die Schreibübungen bestimmt. Diese erste Schulbildung war jedenfalls für seine weitere Fortbildung grundlegend, bis fie ihn später befähigte, als von Seiten der Regierung mit Ernst die Errichtung besonderer jüdischer Schulen gefordert wurden (v. I. 1824 an, siehe bei Warschauer S. 47) die Schule in seiner Vaterstadt zu übernehmen. die hierbei genannt werden, gehört auch Obersitzko (S. 657 und 569), und es entspricht ganz dem dort nachgewiesenen Material, wenn ich hinzufüge, daß mein Großvater ungefärbte Tuche auf den Markt nach Danzig führte — bis gegen 1818, so daß er die bald nach seinem Tode ausgebrochene Kalamität im Tuchhandel nicht mehr erlebte, durch die aber damals mein Bater bei seiner ersten Anfuhr Schiffbruch erleiden mußte.

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