Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Die Papyri von Elefantine
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Die Papyri von Elefantine lassen vieles dunkel und geben uns manche Rätsel auf. lieber weite Gebiete des menschlichen Lebens schweigen sie vollkommen. Wer was sie uns geben, das ist unverfälscht, ein treues Bild der fernen Vergangenheit. Lebensvoll steht die jüdische Gemeinde von Jeb vor unseren Augen, als ob sie gestern noch existiert hätte, mit all ihrem geschäftigen Treiben, mit ihren Kämpfen und Sorgen, ihren Festen und Feiertagen. Und nun vergleichen wir die Bibel mit diesen Urkunden aus alter Zeit und lernen die heilige Schrift besser kennen und verstehen, und sehen, wie die Juden lebten ohne die Bibel. Und noch ein anderes lehren uns die Papyri. Ueberall bestätigen sie die Berichte dev Bibel und sind ein vernichtendes Urteil für die radikale Kritik, die allenthalben in der Bibel tendenziöse Fälschung zu erblicken meinte. Wie oft wurden die Urkunden, die sich im Esra- und Nehemia-Buche finden, in denen die Großkönige ihren jüdischen Untertanen weitgehende Vollmachten erteilen, als dreiste Fälschungen hingestellt, wie hat man den ganzen Inhalt als unmöglich nachgewiesen und die einzelnen überlieferten Worte als fehlerhaft verbessert, nicht zum mindesten, weil doch die persische Regierung nicht aramäisch, sondern persisch geschrieben haben würde. Und nun finden wir im Boden Aegyptens Erlasse der persischen Regierung, und sie sind ebenfalls aramäisch abgefaßt, und die vermeintlichen Fehler und die anstößigen Wendungen finden sich auch hier. Wie hat man das 19. Kapitel des Jesaja kritisiert, in dem der Prophet verheißt, daß einst fünf Städte im Lande Aegyptensein werden, die die Sprache Kanaans reden und zugeschworen sind dem Herrn der Heerscharen, daß ein Altar Gottes mitten im Lande Aegypten stehen werde und ein Malstein an seiner Grenze für den Ewigen. Kein Stück des Jesaja war so unecht wie dieses. Hier hatte man einen unwiderlegbaren Beweis für bie späte Entstehung des Buches, denn dieser Altar war ohne jeden Zweifel der Tempel, den Onias um das Jahr 156 in Leontopolis errichtete, mehr denn ein halbes Jahrtausend später als der Prophet Jesaja. Und nun macht