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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 117

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Die Papyri von Elefantine
Date
1913-01-01
Page
Seite 117 (sequence 54)
Language
German
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117 Selbstverständlich hatten die vornehmen Damen auch ihre Sklavinnen, die ihnen die Arbeit ganz oder zum Teil abnahmen. Wenn wir auf einem Scherben- Briefe die Worte finden: „Sende mir eine Magd, die das Pesach bereiten soll", so wissen wir, daß die Sklavinnen, Zum mindesten in Abwesenheit der Herrin das Haus zu versorgen hatten. Dafür pflegten die Damen ihre Schönheit. Die zwei Geräte, die Frau Mibtachja in ihre zweite Ehe bringt: ein eherner Spiegel und ein Schminkbüchschen, werden doch wohl kaum die einzigen ihrer Art in Elefantine gewesen sein. Auch an neuen, kostbaren, buntgewirkten Gewändern haben Frauen und sicherlich auch die Männer ihre Freude gehabt. Von dem Familienleben der Juden auf Elefantine hören wir nicht viel. Daß man sich mit der Erziehung der Kinder eifrig beschäftigte und darüber nachdachte, lehrt uns der Achikarroman, den man Wohl ein pädagogisches Buch nennen könnte. Die Lehren, die Achikar seinem Pflegesohne gibt, sind ja nicht für diesen, sondern für jedes Kind berechnet, und jeder Knabe von Elefantine fühlte sich selbst angeredet, wenn er aus jenem Buche vorlesen hörte und die Anrede: „Mein Sohn" vernahm. Die Elternliebe leuchtet aus den reichen Gaben hervor, mit denen Vater und Mutter die heiratende Tochter versahen. „Gib acht auf die Kinder", heißt es auf einer Scherbe, „Bis Achotep kommt, vertrau' sie keinem andern an. Chaggai läßt die Kinder grüßen." Und vielleicht darf man auch die Kindesliebe in den Namen angedeutet finden: die Eltern nennen ihre Kinder nach den verstorbenen Ahnen, und ein Name, der so häufig wie kein anderer sich bei den Juden Elesantines findet, ist Menachem, Menachemet, der Tröster, die Trösterin, ein Name, der doch Wohl auf den Verlust eines geliebten Wesens hinweist, das nun durch den neuen Sprößling ersetzt werden sollte.

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