Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Die Papyri von Elefantine
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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116 % Frau. Daß er bei Schenkungen der Mitwirkung der Frau nicht entraten kann, sehen wir aus einem Fall, in dem ein Ehepaar, Mann und Frau, der gemeinsamen Tochter, wohl bei ihrer Verheiratung ein Haus schenkt. In einem anderen Falle gibt ein Mann seiner Frau schriftlich, daß er ihr noch zwei Schekel schuldig ist, die in ihrem Ehekontrakte stehen. Es sind danach selbständige güterrechtliche Verpflichtungen des Mannes der Frau gegenüber vorhanden. Trotz aller dieser Bestimmungen waren die Frauen natürlich nicht wirklich den Männern gleichgestellt. Sie konnten wohl vor die Gemeinde treten, aber Vorsteher waren sie jedenfalls nicht. Auch unter den Zeugen, die die. Verträge beglaubigten, befindet sich nie eine Frau. Aber die Stellung der Frau war dennoch geachtet, und der Verkehr mit ihnen vollzog sich in freien, schönen Formen, das ersehen wir aus der wiederholten respektvollen Anrede: „Meine Herrin", und den Grüßen an die Damen des Hauses, die sich in einem Briefe an eine Frau finden. Der Hauptwirkungskreis der Frau blieb trotz aller Verträge und Geschäfte, die sie abschloß, doch Wohl das Haus, und sicherlich besorgte sie die Küche. Von diesen ihren Kochkünsten hören wir allerdings nichts — sie brauchten nicht schriftlich fixiert zu werden — und das Menu, das wir noch aus den alten Papyri zusammenstellen können, ist auch nicht allzu reichhaltig. Das Brot aus Weizen und Gerste wird wohl die Hauptnahrung gebildet haben, dazu gab es Hülsenfrüchte und Bohnen als Gemüse. Der Nil lieferte Fische, die Kühe und Ziegen gaben Milch. Ab und zu wird es auch einmal einen Braten gegeben haben und es wird eine Taube geschlachtet sein. An Obst treffen wir Feigen und Oliven, aus denen das Oel gewonnen wurde. Man schöpfte auch nicht immer das klare Wasser aus dem Brunnen, sondern gönnte sich gelegentlich einen Krug Wein, der wohl aus Palästina und Phönizien hinüberkam oder einen Krug Bier. >Viel mehr konnten die Frauen Jebs ihren Männern kaum auf den Tisch des Hauses stellen. -