Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Die Papyri von Elefantine
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 38)
- Language
- German
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101 nur mündlich überliefert wurde, sondern schriftlich niedergelegt war, daß man die wertvollen Papyrusstreifen nicht nur dazu benutzte, die notwendigen Dinge des geschäftlichen Lebens sestzuhalten, sondern daß es auch Leute gab, die Bücher besaßen und lasen. Lesen und Schreiben war in jener Zeit eine schwere Kunst, die nicht von einem jeden erlernt wurde. Die Urkunden wurden in vielen Fällen durch berufsmäßige Schreiber aufgesetzt, nicht etwa allein deswegen, weil gewisse juristische Kenntnisse erforderlich waren, sondern auch, weil die Kontrahenten nicht schreiben konnten. Sogar die Namen der Zeugen werden meistens nicht von diesen selbst, sondern vom Schreiber unter die Urkunde gesetzt. Aber andererseits gab es doch eine große Anzahl von Personen, die nicht berufsmäßig diese Kunst ausübten und, wenn auch nicht große Urkunden, so doch kleine Privatbriefe zu schreiben verstanden. Ein Volk des Buches waren die Juden von Jeb noch nicht, und vielleicht konnten sie besser das Schwert als die Feder führen. Zu großen Kriegstaten bot sich Wohl kaum Gelegenheit. Als Besatzung einer Grenzsestung hatten sie nur die Aufgabe, die etwaigen Einfälle der Barbaren zurückzuweisen, und daß dergleichen vorkam, wissen wir, wenn auch erst aus griechischer Zeit, aus einem Briefe, den hundert Jahre später der damalige Kommandant von Syene an den König Ptolemäus richtet, in dem er von einem Kampfe mit den Aethiopiern spricht. Von den kriegerischen Taten der Juden hören wir nichts, aber jedenfalls hatte die persische Regierung auch in dieser Beziehung Zutrauen zu ihnen, sie zahlte ihnen ihren Sold und suchte ihren Patriotismus dadurch zu stärken, daß sie ihnen einen Bericht von den Taten schickte, die Darius I. im Anfang seiner Regierung verrichtet hatte. Der Text dieses Berichtes war uns auch schon früher bekannt. Es war die berühmte Inschrift von Behistun, die an einer Felswand hoch über der Heerstraße von Babylon nach Ekbatana eingemeißelt ist. In drei Sprachen, altpersisch, elamitisch und assyrisch, hatte dort der große Perserkönig die Geschichte seiner