Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Die Papyri von Elefantine
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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100 die Sprüche Salomos nennt. Hier wie dort wird in lose aneinandergereihten Sätzen die Weisheit und die Tugend gepriesen und vor dem Laster gewarnt und eine Menge guter Lebensregeln gelehrt. „Mehr als alles gib acht auf deinen Mund", heißt es in den aramäischen Sprüchen des Achikar, „denn das Wort ist ein Vogel, und wer es entsendet, kann es nicht wieder zurückbringen". „Halte'nicht deinen Sohn vom Stocke fern; wenn ich dich schlage, mein Sohn, so stirbst du nicht" — ein Spruch, der in den Sprüchen Salomos fast wörtlich wiederkehrt. Nach der Weise der Fabel werden Tiere und Pflanzen redend eingeführt, um ihre Weisheit hören zu lassen. Die Gerechtigkeit des Weltlaufes wird besonders betont: „Laß mich sterben, Gott, mit den Gerechten deines Volkes. Es werden sterben meine Hasser, aber nicht durch mein Schwert. — Wenn dich ein Frevler faßt am Saume deines Gewandes, so laß es in seiner Hand ... Er (Gott?) nimmt das Seinige und gibt es dir." Wie man sieht, steht die Moral, die in diesen Sprüchen gelehrt wird, auf einer hohen Stufe. Die Auswahl ihrer Lektüre macht den Juden von Elefantine alle Ehre. Woher sie den Roman hatten, wissen wir nicht. Es geht nicht klar aus der Erzählung hervor, ob der Verfasser ein Jude oder ein Heide gewesen ist. Aber selbst wenn der Roman heidnischen Ursprungs war, paßte er trotzdem so gut in die Gedankengänge des Judentums hinein, daß er auch unter den Juden Verbreitung finden mußte. Nicht nur in Elefantine wurde er gelesen, auch die palästinensischen Juden kannten ihn. Das Buch Tobit, das nicht mehr unter die heiligen Schriften ausgenommen wurde und sich in der Sammlung der Apokryphen befindet, setzt die Erzählung von Achikar als bekannt voraus und spielt vielfach auf sie an, ja es läßt sogar seine Helden Tobit und Tobias die nächsten Verwandten des Achikar sein und führt sie im Laufe der Erzählung zusammen. Der Verfasser dieses Buches hielt bereits Achikar für einen Juden. Es zeugt immerhin von einer hohen geistigen Kultur, daß die Geschichte des Achikar bei den Juden Jebs nicht