Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Die Papyri von Elefantine
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 36)
- Language
- German
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99 das Unglaubliche. Statt seinem Oheim für die erwiesenen Wohltaten dankbar zu sein, verleumdete ihn Nadin beim Könige so geschickt, daß er Glauben fand, und Asarhaddon zornig den Auftrag gab, Achikar zu ergreifen und zu töten. Der Befehl wurde nicht ausgeführt. Nebuschumischkum, der Beamte, der mit der Hinrichtung betraut war, war selbst einmal vor Jahren von Achikar geschont worden, als er getötet werden sollte. Nun erinnerte ihn Achikar an diese Wohltat, und nicht umsonst. Der Beamte versteckt den frommen Mann in seinem Hause, er läßt statt seiner einen ' Eunuchen hinrichten und bringt dem König die Botschaft vom Tode des Achikar. Bald darauf stellt der König von Aegypten dem Asarhaddon eine Aufgabe, die niemand zu lösen vermag. Jetzt vermißt er den weisen Rat des Achikar und ist hocherfreut, als er die Wahrheit hört, daß sein früherer Befehl nicht ausgeführt war und Achikar noch lebte. Achikar wird vor den König gebracht, seine Unschuld stellt sich heraus, er wird wieder zu Gnaden angenommen und besiegt durch seine Klugheit den König von Aegypten. Der Verleumder Nadin wird ihm ausgeliefert, er hält ihm eine lange Strafpredigt, und Nadin stirbt. Die gerechte Sache hat gesiegt. In den Rahmen dieses Romans flocht nun der Erzähler eine große Anzahl von Weisheitssprüchen ein, die er den Achikar zuerst bei seiner Erziehung, dann gelegentlich der großen Strafpredigt vortragen läßt. Wir finden einen ähnlichen Fall in der Bibel, in dem Buche Hiob. Auch hier war der Bericht über einen frommen Mann, der unschuldig litt und schließlich doch für seine Frömmigkeit belohnt wurde, bereits allbekannt, und der Verfasser des Buches Hiob tat nicht mehr, als daß er den vorhandenen Stoff bearbeitete, ihn in künstlerische Formen goß und die Erzählung zum Anlaß nahm, um feine tiefsinnigen Ansichten über das Problem der Theodizee, der Gerechtigkeit Gottes, auszusprechen. So tief aber auch der Achikarroman unter der erhabenen Poesie des Buches Hiob steht, so sehr ähneln seine Weisheitsregeln jener Sammlung von Sprüchen, die man 7*