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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 98

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Die Papyri von Elefantine
Date
1913-01-01
Page
Seite 98 (sequence 35)
Language
German
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98 Kenntnis des heiligen Buches bestellt war. Mer keine Zeile in ihren mannigfaltigen Briefen verrät uns durch irgend, ein Wort oder einen Ausdruck, daß sie die Bibel kannten. Zwar könnte das auf Zufall beruhen, die Gelegenheit, die Bibel zu zitieren, lag in den Geschäftspapieren und amtlichen Urkunden nicht vor. Aber selbst wenn die Juden Jebs die heiligen Schriften teilweise besessen hätten, so wäre ihr Nutzen für die Gemeinde von zweifelhaftem Werte gewesen. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Juden in Jeb aramäisch sprachen und ihre Kenntnis des Hebräischen nicht allzu groß gewesen sein kann. Gewiß sind die beiden Dialekte des Semitischen nicht so weit von einander verschieden, daß nicht der Aramäer ohne weiteres viele Ausdrücke des Hebräers versteht, die Sprachen sind sich so ähnlich wie deutsch und holländisch, und es ist wohl anzunehmen, daß die Judep die Bedeutung der hebräischen Namen, die sie ihren Kindern gaben, wohl verstanden, aber ob sie fähig gewesen wären, ein ganzes Buch wie die Tora zu lesen und zu verstehen, muß man doch wohl bezweifeln. Eine aramäische Uebersetzung der Bibel gab es nicht, und so waren die Juden Elefantines, wenn sie etwas lesen wollten, auf die Erzeugnisse der aramäischen Literatur angewiesen. In der Tat finden wir unter den Fragmenten ihrer Schriften zahlreiche Bruchstücke einer aramäischen Erzählung, die wir bisher nur aus der Ueberlieserung späterer Jahrhunderte in syrischer, äthiopischer, armenischer und anderen Versionen kannten, es ist die Sage vom frommen Achikar Die Erzählung lautet folgendermaßen: Achikar, ein frommer und gerechter Mann, war der erste Ratgeber des Königs von Assyrien Sanherib, von allen geachtet und geliebt. Kinder waren ihm versagt, und deshalb nahm er seinen Neffen Nadin an.Kindesstatt an und erzog ihn vortrefflich mit weisen Lehren. Als aber Sanherib starb und Asarhaddon ihm folgte, fühlte auch Achikar sich zu alt, um weiter seines Amtes zu walten. Er stellte seinen Pflegesohn dem neuen König vor und empfahl ihn dem jungen Herrscher. Und nun geschah

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