Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 92

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Die Papyri von Elefantine
Date
1913-01-01
Page
Seite 92 (sequence 29)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3111067-3111098-3115983--4376-3116109
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

92 das sie die rechte Hand hält. Aus einem anderen leider zerbrochenen Tonrelief sehen wir neben einer nackten Frau ein nacktes Mädchen mit hoher Haarfrisur anscheinend in einer Kapelle. - Und endlich fanden sich auch einige Holzfiguren, die einen hockenden Mann, und eine Tonfigur, die ein nacktes Weib darstellen. Daß das alles Götzenbilder waren, ist kaum zu bezweifeln, aber daß sie den Juden gehörten, ist nicht recht glaubhaft. Die Frau auf dem Bett und die Tonfigur sind sicher ägyptischen Ursprungs, sie sind auch anderwärts in Aegypten gefunden worden und haben wahrscheinlich auch Aegyptern auf Elefantine - gehört. Das Weib in der Kapelle und der hockende Mann mögen semitischen Typus ausweisen, aber die Juden waren nicht die einzigen Semiten in Jeb, und Syrer und Babylonier hatten gewiß in ihren Häusern ihre Götterbilder stehen. Denn nach allem, was wir bereits von den Juden Jebs gehört haben, ist es schwer zu glauben, daß sie tatsächlich dem Götzendienst verfallen waren. Der Anfang der Liste, in der die Namen Aschambethel und Anatbethel Vorkommen, sagt ausdrücklich, das jüdische Heer habe für Jaho die Steuer gegeben. Ein Gegensatz, ja ein Unterschied zwischen ihnen und Jaho besteht also nicht. Jene Anat kommt auch noch in einem Schwure vor,■ den ein Jude leistet „bei einem Anbetungsgegenstand und der Anatjaho." Der Zusammenhang scheint hier anzudeuten, daß die Anat des Jaho, die man zweifellos mit der Anat des Bethel identifizieren darf, irgend ein heiliger Gegenstand war, der in dem Tempel des Himmelsgottes seinen Platz gefunden hatte und zu dessen Reparierung oder Verschönerung die 12 Keresch Silbers verwandt wurden, die man gesammelt hatte. Wir haben daran festzuhalten, daß der eigentliche Gott der Juden Jaho war und blieb. Niemals haben sie einen Sohn oder eine Tochter als eine Gabe der Anat bezeichnet. Die Gedankengänge primitiver Völker sind verschlungen, und wir können nicht nachempfinden, wie die Israeliten der alten Zeit ihrem Gotte treu zu sein meinten, wenn sie gleichzeitig Wesen anerkannten, die neben ihm standen, wenn sie ihre Haus-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.