Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 90

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Die Papyri von Elefantine
Date
1913-01-01
Page
Seite 90 (sequence 27)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3111067-3111098-3115983--4374-3116107
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

90 hätten sie sich nicht grade nach Jerusalem, an den Hohenpriester und seine Genossen mit der Bitte gewandt, ihnen bei der Wiedererrichtung des Tempels behülflich zu sein. Daß die Juden von Jeb jedoch außerhalb Zions opferten, war gewiß in den Augen der Priester von Jerusalem nicht die schwerste Sünde, deren sie sich schuldig machten. Auch ihr Gottesglaube war trotz aller Verehrung, die sie dem Gotte des Himmels zollten, nicht so, wie er sich dank der Wirksamkeit der Propheten in Judäa durchgesetzt hatte. Was die Bibel von den Samaritanern sagt: sie fürchteten Gott, dienten aber daneben noch ihren Götzen, das gilt bis zu einem gewissen Grade auch von den Bewohnern von Elesantine. In der Tat wurden in der jüdischen Kolonie noch andere göttliche Wesen neben Jaho anerkannt. Daß die Jüdin Mibtachja bei der ägyptischen Göttin Sati schwört, mag noch hingehen, vielleicht hatte der ägyptische Prozeßgegner diesen Eid verlangt, und die Juden von Jeb nahmen es nicht so genau mit dem pentateuchischen Gesetz, das verbietet, bei dem Namen eines Götzen zu schwören. Bedenklicher ist es bereits, wenn ein Malkija von sich sagt: „Die Anrufung bei unserem Gotte ist auf mich gekommen im Gericht. Ich werde dir den Eid leisten bei dem Heiligtum des Gottes Bethel (oder: bei dem Gotte Cherembethel?). Es ist nicht zu leugnen, daß Bethel (eigentlich „Haus Gottes") der Name eines phönizischen Gottes ist, dessen Kult wahrscheinlich auch in dem nordisraelitischen Reiche Eingang gefunden hatte. Auch bei den Juden von Elefantine finden sich einige Namen, die mit Bethel zusammengesetzt sind: Bethelnatan — Bethel hat gegeben, Bethelakab — Bethel hat vergolten, Bethelschesib — Bethel hat gerettet. War dieser Bethel ein Götze, den die Juden Elefantines neben dem Gotte des Himmels angebetet haben? Wir glauben diese Frage verneinen zu müssen. Wahrscheinlich waren die Begriffe Bethel und Jaho ineinander verschmolzen, Bethel nur ein anderer Name für den Gott des Himmels. Wenn ein Mann Bethel-natan, Sohn des Jeho-natan heißt, so ist das ein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.