Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 89

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Die Papyri von Elefantine
Date
1913-01-01
Page
Seite 89 (sequence 26)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111098-3115983--4373-3116106
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

/ — 89 — Kosten des Rechtsverfahrens, das man bei den persischen Behörden anhängig machte, verschlangen mehr Geld als der Dienst im Tempel. Aber auch das trugen die Juden von Elefantine um ihres Gottes willen gern. Zu der Höhe des Gedankens, daß sie Gott auch ohne Opfer dienen konnten, hatten sie sich noch nicht emporgeschwungen, für sie machte die Zerstörung des Heiligtumes die Ausübung der Religion unmöglich und war daher ein furchtbarer Schicksalsschlag. In altorientalischer Weise trauerten sie die ganze Zeit. Sie gingen in Säcken und fasteten, sie hielten sich von ihren Frauen fern, salbten sich nicht mit Oel und tranken keinen Wein, bis endlich der Altar ihres Gottes wieder von neuem errichtet war. Und doch war dieser ganze Dienst, an dem die Juden von Jeb in treuer Liebe hingen, in den Augen der Priester zu Jerusalem eine Sünde gegen Gott und sein heiliges Wort, wie es die Tora verkündet. „Hüte dich, daß du nicht deine Ganzopfer darbringst an jedem Orte, der dir gefällt, sondern an dem Orte, den der Ewige erwählt, in einem deiner Stämme, dort sollst du deine Ganzopfer darbringen", so hatte es das fünfte Buch Mose bestimmt, und dieser Ort, den der Ewige erwählt, war das Heiligtum aus Zion. Lange Zeit hatten die Priester zu Jerusalem vergeblich versucht, die Vorzugsstellung ihres Tempels durchzusetzen. Das Volk blieb bei seiner Sitte, auf jedem Berg, unter jedem belaubten Baume stand ein Altar, aus dem die Opfer flammten. Erst als unter Josia im Jahre 622 das Buch Gottes im Tempel gefunden wurde, ging man daran, den Höhendienst energisch zu unterdrücken, und Jerusalem stand ohne Rivalen da. Waren damals die Juden von Elefantine schon nach Aegypten ausgewandert, sodaß sie nichts mehr von jener neuen Wendung der Dinge in der Heimat erfahren hatten? Oder hatten sie sich einfach über die Bestimmung des Deuteronomium hinweggesetzt, wie ja das Volk mit äußerster Zähigkeit an seinen heiligen Stätten festhielt und von dem Höhendienst durchaus nicht lassen wollte? Wir können das nicht mehr entscheiden; aber in gutem Glauben hatten sie gewiß gehandelt, sonst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.