Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Die Papyri von Elefantine
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 25)
- Language
- German
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88 Der Tempel dieses Gottes bildete das Zentrum der Gemeinde. Mit großen Kosten hatten sie das Heiligtum errichtet. Prächtig stand es da mit seinen steinernen Toren und Säulen, mit seinem Dach aus Zedernholz, das weither aus dem Libanon hatte geholt werden müssen, mit seiner kostbaren Ausstattung, den silbernen und goldenen Geräten. Nur eins fehlte, was jeder Tempel der damaligen Zeit in sich barg: das Bild des Gottes. Jaho wurde in Israel nie im Bilde verehrt, der Gott des Himmels konnte nicht körperlich dargestellt werden. Die Opfer, die man Gott darbrachte, bestanden genau wie im Tempel zu Jerusalem aus Trankopfern (Wein), Speiseopfern (Mehlspeisen) und Tieren, die entweder völlig auf dem Altar verbrannt oder zum Teil gegessen wurden. Die Priester, die die heiligen Handlungen vollzogen, gehörten zu dem Vorstand der Gemeinde, aber sie saßen dort neben Laien, während in Jerusalem damals die Hohenpriester an der Spitze des Gemeinwesens standen. Sie wurden mit dem Worte „Kahanaja" bezeichnet, das von dem hebräischen „Kohen" abgeleitet ist. Den Götzenpriestern wird dieser Titel niemals beigelegt. Man sieht, wie stolz die Juden von Jeb auf ihren Tempel und ihren Gottesdienst waren. Die Erhaltung des Heiligtumes erforderte mancherlei Opfer an Geld und Gut. Wie iin zweiten Tempel die Ausgaben durch eine Steuer bestritten wurden, die jeder Jude alljährlich in Höhe von einem halben Schekel nach Jerusalem zahlte, so verfuhr man auch hier. Wir haben unter den Papyri eine lange Liste von Namen, die mit den Worten beginnt: „Am dritten den Phamenot im Jahre 5. Dies sind die Namen des jüdischen Heeres, das Geld gegeben hat. für den Gott Jaho, Mann für Mann zwei Schekel." Die Juden in Jeb mußten natürlich für ihr Separatheiligtum viel größere Lasten tragen als die Juden in Palästina. Allerdings wissen wir nicht, ob diese Zwei-Schekel-Steuer jährlich bezahlt werden mußte, und einige Jahre später hörte sie mit der Zerstörung des Tempels von selbst auf. Die Ausgaben der Gemeinde wurden dadurch jedoch nicht geringer. Die