Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Die Papyri von Elefantine
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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87 verschieden. Mochte auch ihr Monotheismus noch nicht ganz ungetrübt sein, mochten sich auch noch manche Elemente des alten israelitischen Volksglaubens, gegen die die Propheten mit der ganzen Glut ihrer sittlichen Ueberzeugung gekämpft hatten, in ihre religiösen Anschauungen hineinmischen — Götzendienst gab es bei ihnen nicht. Ihr Gott war Jaho, der Herr des Himmels. Ihm war der Tempel geweiht, den sie auf Elesantine hatten, ihm brachten sie Opfer dar. und zu ihm beteten sie. Wie sie sich diesen Gott vorstellten, schrieben sie nun selbstverständlich nicht in ihre Briefe hinein, aber dennoch können wir uns ein Bild von ihrem Glauben machen. Denn die Namen, die sie den Kindern gaben, spiegeln die Anschauungen wieder, die sie über die Gottheit hegten. Es war ja noch eine Zeit, in der der Name eine Bedeutung hatte und gleichsam ein Sinnspruch war, den die Eltern dem Kinde mit auf den Lebensweg gaben. Mehr als fünfzig Namen kennen wir aus Elefantine, die mit dem Namen Gottes zusammengesetzt sind: Jehonatan — Jaho hat gegeben, Berachja — Jaho hat gesegnet, Schemaja — Jaho hat gehört und viele andere. Aus diesen Namen wissen wir, wie die Juden von Jeb über Gott dachten. Sie stellten sich Gott vor als den Herrscher und König, den Richter, der da lohnt und vergilt. Das Kind war ein Geschenk Gottes, der die Gebete erhört hat, er wird es schützen und groß werden lassen. Er ist der Helfer und Retter, das Licht und der Anteil der Gläubigen, und ihm gebührt Lob und Preis. Das alles erzählen uns die Namen, und gelegentliche Stellen in den Briefen bestätigen es und zeigen, wie tief religiös die Juden von Elefantine empfunden haben. Ueberall hat Gott seine Hand im Spiele, unter seinem Beistand verwenden sich die Diener des Anani für den gefangenen Juden von Abydos, er bestraft Waidrang und die anderen Uebeltäter, aber er hat auch die Macht, den Bagohi, obwohl dieser ein Heide ist, zu belohnen und ihm die Gunst des Großkönigs zu verschaffen. Der Herr des Himmels, wie die Juden Gott nannten, hatte auch Macht auf der Erde, der Gott der Juden herrschte auch über die anderen Völker.