Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Die Papyri von Elefantine
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 23)
- Language
- German
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86 Segen einer blühenden Bürokratie, und wenn wir heute über die Zustände des alten Aegypten besser unterrichtet sind als über irgend ein anderes Land der alten Welt, so verdanken wir das nicht nur dem schützenden Wüstensande und dem regenlosen, trockenen Klima des Niltales, sondern auch der Schreibseligkeit der ägyptischen Bevölkerung, insbesondere ihrer Beamtenschaft. Alles wurde schriftlich erledigt, und die Schreiber und Kanzlisten der Städte und Provinzen hatten gute Zeiten. Da wurde über die Ausgaben, die die Garnisonen verursachten, genau Buch geführt, über die Löhnung in Geld und Naturalien, die die einzelnen Söldner erhielten, da gab es Prozesse und Verhandlungen, Eingaben und Beschwerden, und alles wurde zu Protokoll gebracht und fein säuberlich auf dem Schreibmaterial, das die Aegypter selbst erst erfunden hatten, auf den Papyrosrollen, verzeichnet. Auch die Juden wurden glücklicherweise von dieser Schreiblust angesteckt, und die Aegypter sorgten schon selbst dafür, daß sie nicht nur Privatbriefe, Testamente und Verträge, sondern auch wichtige amtliche Urkunden anzufertigen hatten. Diese Freude am Schreiben und das ägyptische Datum, das in Elefantine neben den, bis heute bei den Juden üblichen, babylonischen Monatsnamen gebraucht wurde, scheint aber auch das einzige gewesen zu sein, was die Juden von den Aegyptern annahmen. Sie lernten nicht die Sprache des Volkes, in dessen Mitte sie lebten, noch seine Sitten und Gebräuche. Auch die übrigen Söldner, die Syrer, Babylonier und Griechen waren den Aegyptern fremd, aber der Gegensatz war doch noch zu überbrücken, wenigstens in religiöser Beziehung kamen sie den einheimischen Anschauungen entgegen. Die Juden standen völlig allein. Zu dem nationalen gesellte sich ein scharfer religiöser Gegensatz. War doch Aegypten das Land, wo den allerniedrigsten Vorstellungen von der Gottheit gehuldigt wurde, wo man nicht nur Bilder von Holz und Stein, sondern alle möglichen Tiere, vom Stier bis zu Katzen und Fröschen, göttlich verehrte. Die Religion der Juden war von diesem Glauben himmelweit