Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Die Papyri von Elefantine
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 22)
- Language
- German
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85 Waffen zu ergreifen. Ihre militärische Organisation behielten sie allerdings bei, sie bezogen weiter ihren Sold, sie blieben in den Truppenverbänden — in dieser Hinsicht ist ein hölzerner Stempel interessant, den der Aufschrift zufolge „die Leute der Kompagnie dem Hosea", ihrem Kameraden einmal geschenkt hatten — aber daneben bildeten sie doch eine Gemeinde in religiöser wie sozialer Beziehung. Hier standen an ihrer Spitze nicht mehr Offiziere, sondern Vorsteher, deren erster der Führer der Gemeinde war und in ihrem Namen mit der Regierung verhandelte. Auch die Perser, die zunächst als Eroberer ins Land gekommen waren, mußten sofort neben der militärischen eine Zivil - Verwaltung ausbilden oder die Verwaltungseinrichtungen, wie sie noch aus der Pharaonenzeit her bestanden, übernehmen, und so begegnet uns in den Papyri ein bis ins kleinste ausgebildeter Beamtenapparat, und wenn einmal ein Schiff, das der Regierung gehörte, repariert werden mußte, dann war halb Aegypten in Bewegung. Da wurde berichtet und geschrieben, begutachtet und verfügt, daß man kaum glauben möchte, ein Dokument aus dem fünften vorchristlichen Jahrhundert vor sich zu haben: da schreiben die Lokalbehörden mehrerer Städte an ihren Vorgesetzten Psamsenit, dieser berichtet wieder an die Provinzialbehörden unter Mithradat, und dieser wendet sich endlich an den Statthalter. Von hier geht es nun wieder rückwärts: zunächst an die Kanzlei zu dem Sekretär-Befehlshaber Anani, einem Juden, dort wird dann von einem Schreiber Neboakab die Verfügung des Arscham niedergeschrieben und an Wachpriemchi, einen Unterbeamten, geschickt. Natürlich waren vorher noch die Finanzbehörden in Tätigkeit getreten und der Obermeister der Schiffszimmerleute als Sachverständiger befragt. Daß bei einem solchen Apparate nicht alles schnell erledigt wurde, ist klar, und der einzige Weg, wirklich etwas zu erreichen, war daher die Bestechung, ohne die denn auch weder Juden noch Heiden auskamen. Sonst blieben die Akteir sicher einmal in irgend einem Amt für ewige Zeiten liegen. Aegypten besaß seit den ältesten Zeiten diesen