Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Die Papyri von Elefantine
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 21)
- Language
- German
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84 gewandert waren, hatten sie die hebräische Sprache mit sich genommen, jetzt war die Mundart der Väter seit langem vergessen. Unter den mannigfaltigen Schriftstücken, die sie uns hinterlassen haben, findet sich kein hebräischer Brief, ja kein Ausdruck, keine Wendung, die an die hebräische Vergangenheit erinnert. Ein klassisches Aramäisch tritt uns überall entgegen, die damalige Weltsprache, die sich weit über die Grenzen ihrer syrischen Heimat nach Norden und Süden verbreitet hatte, ein semitischer Dialekt, der dem Hebräischen nahe verwandt ist, den sich daher die Juden leicht und schnell aneignen konnten. Auch unter den Juden Palästinas, die damalsnoch hebräisch sprachen, machte gerade um diese Zeit das Aramäische immer größere Fortschritte, sodaß es zwei Jahrhunderte später zur Zeit der Makkabäer bereits die allgemeine Landessprache war. Gleichzeitig mit der * Sprache drang auch das aramäische Alphabeth (die spätere Ouadratschrift) in Palästina ein, eine Schriftform, die sich von der althebräischen ganz erheblich unterschied. Nur die Samaritaner, die ja immer zeigen wollten, daß sie das echte Judentum repräsentierten, blieben bei den antiquierten Schriftzeichen*). Die Juden waren fortschrittlicher und wagten es, selbst ihre heiligen Schriften mit den neuen Buchstaben zu schreiben. Auch die Juden von Elefantine, die immer mit anderen Semiten zusammenlebten und stets mit persischen Behörden zu korrespondieren hatten, bedienten sich ausschließlich der araniäischen Schrift. Und noch in einer anderen Beziehung hatten sich die Juden Elefantines weit von ihren Ursprüngen entfernt. Als Söldner waren sie ins Land gekommen, aber sie wurden nicht in Kasernen einquartiert, sie erhielten ihre eigenen Häuser und dazu gehörige Grundstücke, die sie bebauten. So wurden im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte allmählich aus den Soldaten Bauern, die nur dazu verpflichtet waren, jederzeit auf Befehl die *) Nach der talmudischen Ueberlieferung Sanh. 21b führte Esra die Neuerung bei den Juden ein, vgl. 2t. Katz „Esra" im Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 1910, Band XIH, S. 83.