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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 78

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Die Papyri von Elefantine
Date
1913-01-01
Page
Seite 78 (sequence 15)
Language
German
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78 zerstörten Tempel waren es, die den Haß gegen sie immer weiter schürten. Aus Elefantine wurde seit den ältesten Zeiten der Chnub verehrt, einer jener widerwärtigen ägyptischen Götzen, die unter dem Bilde eines Menschen mit einen: Tierkopf dargestellt wurden. Die Verehrer dieses widderköpfigen Gottes werden von vornherein nicht gern gesehen haben, als die fremden Söldner ihrem Gotte einen Tempel bauten, der doch selbstverständlich in ihren Augen nichts als ein Konkurrenzunternehmen war. Weshalb konnten sich gerade die Juden der Landessitte nicht fügen und ebenso wie die anderen Söldner wenigstens neben ihrem eigenen Gott den alten Gott der Insel verehren? Und nun mußte gerade dieser Tempel, der ihnen ohnehin ein Dorn im Auge war, der allgemeinen Zerstörung entgehen! Es war natürlich, daß sie für die Zerstörung des eigenen Tempels an den Juden Rache nehmen wollten. Man verfolgte jedoch gleichzeitig noch einen anderen Zweck. Der religiöse Fanatismus war vielfach nur Vorwand oder stand jedenfalls nur in zweiter Reihe. Hauptsächlich wollte man Unruhen erregen, um sich vom persischen Joche zu befreien. Die Ausführung dieses Planes war jedoch so einfach nicht. Einmal waren die Juden selbst eine nicht zu verachtende Macht und bildeten wenigstens auf der Insel Elefantine wahrscheinlich die Majorität der Bevölkerung, und sodann lag es im Interesse der Perser, die treuen Juden zu schützen und überhaupt auf Ruhe zu halten. So lange die persische Macht auf der Höhe stand, waren die Juden sicher, und die ägyptischen Priester konnten höchstens im geheimen gegen sie wühlen. In: Jahre 410 glaubte man endlich so weit zu sein, um zum entscheidenden Schlage ausholen zu können. Der persische Statthalter Arscham war an den Hof des Großkönigs nach Susa oder Persepolis gezogen, wer ihn während seiner Abwesenheit ersetzte, wissen wir nicht, jedenfalls wurde:: die bisher straff gehaltenen Zügel der Herrschaft etwas locker gelassen, und sofort begann auf Elefantine offen die Hetze gegen die Juden. Gegen die Waffen des persischen Militärs konnte man vorerst natürlich nichts unternehmen, aber es gab

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