Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Die Papyri von Elefantine
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 14)
- Language
- German
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77 rückten sie in die höheren Stellen der Armee ein, die nicht nach der Tüchtigkeit, sondern aus Grund anderer Erwägungen vergeben wurden. DerHöchstkommandierende auf Elefantine, Waidrang, war nicht nur der Vorgesetzte, sondern auch — und wohl nicht nur zufällig — der Vater des Heeresobersten Nepajan, der auf der anderen Seite des Nils in Assuan befehligte. Daß endlich der Posten eines Statthalters der ganzen Provinz Aegypten einem Prinzen des königlichen Hauses der Achämeniden, Arscham, Vorbehalten blieb, ist nicht mehr als natürlich. Aber wenn die Juden Aegyptens auch nicht die Vorrechte der Perser erhielten, so hatten sie doch die Nachteile der engen Verbindung mit den Persern voll und ganz zu tragen. Der Haß, der die Aegypter gegen die fremden Herren beseelte, übertrug sich selbstverständlich aus alle Fremden überhaupt, und in erster Reihe richtete er sich gegen die treuen Anhänger der Perser, gegen die Juden. So haben wir denn in unseren Papyri die erste sicher beglaubigte Regung dessen, was wir Antisemitismus nennen. Gewiß hatten die Juden auch vorher Feinde gehabt, die Philister, Ammoniter, Moabiter, Syrer und wie alle jene Nachbaren hießen, mit denen sie sich herumschlugen in ewiger Fehde, wie ein jedes Volk mit denen, die ihm am nächsten sitzen, gewöhnlich im Kriege lebte. So erbittert diese Raufereien und Kämpfe auch vielfach waren, ein richtiger Stammeshaß entwickelte sich unter jenen oft nahverwandten Völkern nur in den seltensten Fällen, und auch dann war er anderer Art. Hier in Aegypten dagegen lebten die Juden unter einer stammfremden Bevölkerung, die in Sprache und Sitte vollkommen von ihnen verschieden war und die ihre nationalen Eigentümlichkeiten um so schärfer betonte, weil sie von einem fremden Volke unterdrückt wurde. Welchen Eindruck mußte es auf die Aegypter gemacht haben, als ihre eigenen Tempel in Trümmerhaufen verwandelt wurden und gerade das Heiligtum der Ausländer, der Juden, verschont blieb? Mochten die Juden an dem einen wie an dem anderen noch so unschuldig sein, dies Ereignis blieb ihnen unvergessen, und besonders die Priester jener