Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Die Papyri von Elefantine
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 13)
- Language
- German
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76 mit Söldnerheeren führte, genau so wie im Mittelalter leicht von statten. In diesem Falle mußten aber die Juden besonders gern in Persische Dienste getreten sein. Zwischen Persern und Juden bestand das Gefühl einer gewissen Zusammengehörigkeit. Die Religionen Moses und Zoroasters zeigten manche Aehnlichkeiten, und der Jude konnte in Ahuramasda leicht seinen Gott des Himmels wiederfinden, ebenso wie der Perser seinen Gott Wohl mit Jaho identifizieren mochte. Wäre Cyrus ein völliger Heide gewesen, dann hätte ihn Deuterojesaja wohl kaum den Hirten Gottes genannt, seinen Gesalbten, der Gottes Namen anruft. Ein Götzendiener war Cyrus gewiß nicht, ja die Bibel stellt ihn und Darms sogar als Bekenner des einzigen Gottes hin. Freilich werden die Gründe, die Cyrus veranlaßten, den Juden die Rückkehr nach Palästina und den Bau des Tempels zu gestatten, mehr politischer Natur gewesen sein — er wollte sich ein ihm treuergebenes Volk an der ägyptischen Grenze sichern — aber dennoch wurden die Juden im persischen Reiche bevorzugt, sie bekleideten Aemter am Hofe des Großkönigs, nach der Bibel wurden Daniel unter Darius, Mordechai unter Terxes die ersten Minister und Großveziere der Herrscher, Nehemia war der Mundschenk' des Artaxerxes und dann Statthalter von Judäa, auch unsere Papyri erzählen von hohen jüdischen Würdenträgern, und daß Kambyses sämtliche ägyptische Tempel zerstörte und nur das jüdische Heiligtum in Elefantine unangetastet ließ, zeigt, wie anders er die Juden achtete als die Heiden und ihre Götzen. Und doch waren diese nahen Beziehungen zu den Persern für die Juden der Diaspora ein zweischneidiges Schwert. Der bevorzugten Klasse der Perser wurden sie doch nun einmal nicht gleichgesetzt. Die jüdischen Söldner wurden genau so wie ihre phönizischen und ägyptischen Standesgenossen von persischen Offizieren befehligt. Wir kennen die Namen der Führer der einzelnen Kompagnien, in die sie eingeteilt waren: das Fähnlein des Warisat, des Artapan und anderer persischer oder persisch-babylonischer Offiziere — ein Jude ist nicht unter ihnen, und ebenso wenig