Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 69

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Die Papyri von Elefantine
Date
1913-01-01
Page
Seite 69 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3111067-3111098-3115983--4353-3116086
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

69 Wurde. Die Politik der israelitischen und jüdischen Könige war in dieser ganzen Zeit stets daraus gerichtet, aus der Rivalität der beiden großen Reiche Nutzen zu ziehen und sich dem stärkeren Norden gegenüber auf das im allgemeinen schwächere Aegypten zu stützen, während die Diplomatie Aegyptens immer dahin strebte, die kleinen Nachbaren gegen die assyrischen und babylonischen Weltherrscher aufzuhetzen. Vergebens traten die Propheten dieser selbstmörderischen Politik entgegen und warnten vor dem treulosen Aegypten, die israelitischen und jüdischen Könige ließen sich wieder und immer wieder von den Augen ägyptischen Diplomaten betören und hatten den Abfall von der Großmacht mit dem Untergang ihrer Staaten zu büßen. Freilich wurde Aegypten, wenn es -auch nicht tatkräftig helfen konnte, doch ein Zufluchtsort für alle Verfolgten. Von Jerobeam an, der vor seinem Herrn, dem Könige Salomo, an den Hof des Pharao floh und dort gastfreundlich ausgenommen wurde, blieb Aegypten immer die Rettung der Verfolgten. Vielleicht, daß Ueberreste der zehn Stämme sich nach der Eroberung Samariens durch den Afsyrerkönig Sargon nach Aegypten gewandt haben, jedenfalls hat es dort bereits, als der erste Tempel noch bestand, vom Delta bis nach Oberägypten hin jüdische Gemeinden gegeben. Auch eine Schrift aus griechischer Zeit, der sogenannte Aristeasbrief berichtet, daß unter einem Könige Psammetich Juden gegen die Aethiopier gekämpft hatten. Eine weitere Verstärkung -erhielt die jüdische Bevölkerung des Niltals, als der Tempel zerstört wurde (589). Damals führte Nebukadnezar den Hauptteil des Volkes nach Babel in die Gefangenschaft, und der klägliche Rest, den er im Lande ließ, wandte nach der Ermordung des Statthalters Gedalja aus Furcht vor der Rache der Babylonier gleichfalls der Heimat den Rücken und nahm den widerstrebenden Propheten Jeremia mit sich nach Aegypten. Soweit geht der Bericht der Bibel über die Anfänge der in späterer Zeit so mächtigen ägyptischen Diaspora. Nach kurzer Blüte wurde das babylonische Reich eine Beute der Perser, und der Begründer der neuen Welt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.